Geheime Experimente mit "Terminator-Genen" in England

26. Februar 2003, 12:05
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Umweltaktivisten fühlen sich von der Regierung hinters Licht geführt

London - Umweltorganisationen und Konsumentengruppen in Großbritannien laufen Sturm gegen die von Bayer angepflanzte Raps-Saat, in die unter anderem so genannte Terminator-Gene eingebaut sind. Diese Gene schaffen männliche Sterilität bei Pflanzen. Das bedeutet, dass die Samen für einen weiteren Anbau in Zukunft nicht in Frage kommen. Über die geheime Ausbringung der Samen auf Testfeldern in Großbritannien berichtet die Nachrichtenagentur Scoop.

Geheim gehalten

Die Verwendung der Technologie wurde seitens des Bayer CropScience und Defra geheim gehalten, berichtet der neuseeländische Nachrichtendienst. Die Wissenschaftler Mae-Wan Ho und Joe Cummins vom Institute of Science in Society haben in Versuchen vor den Gefahren der neuen Super-Raps-Saat gewarnt. Demnach können Samen der neuen genetisch veränderten Saat auch verwandte Arten wie Broccoli, Senf und Blumenkohl sowie andere wildlebende Pflanzen an den Rand der Ausrottung bringen.

GM-Free Cymru, eine Aktivistengruppe aus Wales, will mit einer sofortigen parlamentarischen Anfrage über das weitere Vorgehen bei der Aussaat von genetisch-veränderten Saaten Bescheid wissen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch der großangelegte Feldversuch an über 150 Feldern.

Unbekannt war den Umweltaktivisten die Tatsache, dass die Terminator-Gene bereits als Rapssaat ausgesät wurden, berichtet Brian John, Sprecher der GM-Free Cymru-Organisation. Bereits Ende Januar wurden die Umweltschützer vor den drohenden Gefahren gewarnt: Damals hieß es seitens der Umweltministerin Margaret Beckett, dass der Gen-Raps, der in Großbritannien angebaut werde, sich von jenen Sorten in Kanada und den USA unterscheide. "Heute wissen wir, was diese Andeutung der anderen Sorte für uns bedeutet", so John.

Warnung

Brasilianische Bauernaktivisten wie Wilson Campos hatten bereits beim Welt-Sozialforum in Porto Alegre vor den Terminator-Gen-Saaten gewarnt. Diese bewirkten, dass die Bauern von der Ernte nichts für die nächste Aussaat aufheben könnten, wie es in den meisten Entwicklungsländern zur landwirtschaftlichen Tradition gehöre. Da sich die patentierten Pflanzen der Agrarindustrie nicht reproduzieren könnten, müssten die Bauern im Folgejahr wieder Saatgut kaufen.

"Pflanzen mit den Terminator-Genen kann man nicht wieder aussäen, weil sie dazu bestimmt sind, zu sterben", erklärte Campos. Nach den neuen Regelungen sei es den Bauern auch verboten, Saatgut zu tauschen. Die UN-Welternährungsorganisation FAO hat festgestellt, dass 1,4 Milliarden Bauern der südlichen Hemisphäre darauf angewiesen sind, Saatkörner auszubringen, die sie aus der Ernte abgezweigt haben oder die sie von ihren Nachbarn für die Fruchtfolge eingetauscht haben. (pte)

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