Setzen Unis künftig die Höhe der Studiengebühren selbst fest?

26. Februar 2003, 13:34
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Einigung zwischen ÖVP und FPÖ laut Zeitung erzielt: Gesetzgeber soll lediglich Mindest- und Höchstbetrag festlegen - Gehrer dementiert

Wien - ÖVP und FPÖ sollen sich nach Angaben der "Presse" darauf geeinigt haben, dass künftig die Universitäten die Höhe der Studiengebühr selbst festsetzen können.

Die Unis sollen demnach weniger als die derzeit gesetzlich fixierten 363,30 Euro pro Semester verlangen können oder auch mehr. Voraussichtlich werde der Gesetzgeber eine Bandbreite bestimmen, innerhalb der jede Universität die Gebührenhöhe vorschreiben kann.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer dementierte unterdessen Meldungen, wonach Universitäten die Höhe der Studiengebühr selbst festsetzen können sollen.

Unterschiedliche Reaktionen von Seiten der Unis

Während Gehrer kolportierte Berichte zur geplanten Freigabe von Studiengebühren dementierte, hat sich der Rektor der Leobener Montanuniversität am Mittwoch deutlich für eine solche ausgesprochen. Er könne sich einen Spielraum "von Null bis 1.500 Euro" vorstellen, so Wolfgang Pöhl am Mittwoch. Eine klare Absage kam andererseits vom Rektor der Technischen Universität Graz. "Das wäre eine völlig falsche Lenkungspolitik", so Erich Hödl.

Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Studiengebühren in Österreich "sowieso bescheiden" und es werde alles getan, um diese auch sozial abzufedern, zeigte sich der Leobener Rektor Pöhl überzeugt. "Ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Stipendien wird gar nicht abgeholt weil die Studenten einfach nicht die erforderliche Leistung bringen", so Pöhl. Eine freie Gestaltung der Höhe der Studiengebühren würde nach Meinung Pöhls dazu führen, "dass die Studierenden verstärkte Anstrengungen setzen" würden. Zudem müsse man Unterschiede hinsichtlich der Aufwendungen pro Studenten machen, die im Bereich der Technik und der Naturwissenschaften "einfach höher" seien.

Selbstverständlich müsste gesichert sein, dass jene Studierenden, die die erforderlichen Leistungsnachweise erbringen, "auch eine Chance haben, die Studiengebühr ersetzt zu bekommen". "Ich vertraue hier auf die Hilfestellung aus der Industrie, die natürlich einen Bedarf an gut ausgebildeten Absolventen hat und uns schon jetzt mit den Praxis-Checks unterstützt ", so Pöhl.

Eine klare Absage kam vom Rektor der Technischen Universität in Graz, Erich Hödl. "Wenn man teure Studienrichtungen mit höheren Studiengebühren belasten würde - und das sind wohl die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer - dann wird die Lücke am Arbeitsmarkt nur noch größer werden", so Hödl. Es sei nämlich vorauszusehen, dass Studierende "auf billigere Studienangebote" zurückgreifen würden. "Ich halte nicht davon, die Studentenströme über Kosten zu lenken", so der Rektor. Er halte es für klüger, Geldmittel der Industrie für die Forschung als die Finanzierung der Ausbildung zu verwenden, so Pöhl.

Lothar Zechlin, Rektor der Universität Graz und damit Rektor der größten steirischen Universität wollte am Mittwoch zur Diskussion nicht Stellung beziehen. (APA)

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    Die Höhe der Studiengebühren sollen künftig von den Unis autonom entschieden werden. Eine gewisse Mindesthöhe soll jedoch bleiben.

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