Ohne Nachwuchs droht Pflegenotstand

25. Februar 2003, 20:53
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Experten warnen: Es werden immer mehr Krankenpfleger und -schwestern benötigt

Wien/Linz - "Ernüchternd" nennt Michael Heinisch, Leiter der St. Vinzenz Ordensspitäler, die Ergebnisse einer Studie: Junge Leute wollen nicht in den Pflegeberuf. Gesundheitsberufe böten "viel Stress, wenig Freizeit, unangenehme Arbeitszeiten, kaum Karrierechancen - und das bei schlechtem Verdienst", resümmiert market-Studienleiter Werner Beutelmeyer schlechte Imagewerte in der Umfrage unter Schulabgängern in Wien, Oberösterreich und der Steiermark.

Damit ist aber eine "dramatische Situation in Zukunft verbunden", warnt Heinisch. Denn die Menschen werden immer älter, mehr Bedürftige brauchen Versorgung. Es drohe der Pflegenotstand, wenn sich die Ausbildungssituation nicht ändere. DER STANDARD berichtete bereits über diesbezügliche Sorgen des Bundesverbandes der Pflegekräfte. Der Vinzenz-Orden betreibt vier Pflegeschulen in Wien und Oberösterreich und versorgt jährlich mehr als 300.000 Patienten stationär und ambulant. Die Ausbildung ist an sich Länderkompetenz und über Spitäler organisiert. Akademische Bildung gibt es seit kurzem an den Sozial-Fachhochschulen.

Um das Image werben

Heinisch will nun verstärkt um ein besseres Image für die Berufssparte werben und sich nicht zuletzt der Internetkommunikation bedienen: Über eine Informationsplattform hofft er, die Zielgruppe der 17 bis 20-Jährigen zu erreichen. Auch Karrierechancen - vom hochspezialisierten Fachpersonal bis hin zu Positionen im mittleren und oberen Gesundheitsmanagement - will man seitens des Ordens aufzeigen.

Dabei könnten nach Schätzung des Roten Kreuzes sofort sechshundert Personen in dem Beruf anfangen. Der Bedarf wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln, glaubt Werner Kerschbaum. Österreichweit würden derzeit rund 7500 diplomierte Pflegekräfte ausgebildet. Das reiche auf Dauer nicht aus, um die Versorgung in Spitälern, bei Hilfsdiensten oder Ambulanzen aufrechtzuerhalten.

Pflegerschülerinnen und -schüler leiden selbst unter der Geringschätzung, einmal einen Sozialberuf auszuüben. Katja, Pflegeschülerin im 2. Jahr: "Es ärgert mich maßlos, dass ich als angehende Krankenschwester immer wieder betonen muss, dass ich gebildet bin und nicht nur einen Hilfsjob ausübe." (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2003)

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