"Nur mit Optik könnten wir nicht überleben"

25. Februar 2003, 19:55
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Olympus-Chairman Masatoshi Kishimoto im Standard-Interview

Standard: Herr Kishimoto, 1998, als Digikameras noch ein Nischenprodukt waren, sagten Sie voraus, dass der Verkauf digitaler Kameras bald so groß wie der von konventionellen Kameras sein würde. Wie weit ist die Entwicklung? Kishimoto: 1996 haben wir mit dem Verkauf digitaler Kameras begonnen, sie sind heute so wichtig wie konventionelle Kameras. 2000 war das Jahr des Gleichstands: Nach den Daten des japanischen Industrieverbandes zogen Digitalkameras nach Stückzahlen 2000 mit analogen gleich, vergangenes Jahr haben sie auch nach Wert gleichgezogen. Jetzt wachsen Digitalkameras weiter, während der Absatz von Filmkameras zurückgeht. Heuer erwartet die Industrie einen Zuwachs von 27 Prozent bei digitalen Kameras, hingegen zehn Prozent Rückgang bei konventionellen Kameras. Dieser Trend wird noch länger anhalten.

STANDARD: Gibt es noch eine Zukunft für Filmkameras, oder wird das ein Nischenprodukt für Spezialisten werden? Kishimoto: Das glaube ich nicht. Als Hersteller solcher Kameras werden wir uns bemühen, die Balance zu erhalten. Aber aufgrund der technologischen Fortschritte im digitalen Bereich werden Digikameras noch weiter zulegen. Es ist schwer zu sagen, auf welchem Niveau diese Entwicklung abgeschlossen ist.

Aber digitale Kameras bieten große Chancen, das Geschäftsfeld auszuweiten, während Analogkameras nur eine Box und ein Film sind. Bei digitalen Apparaten gibt es weitere Infrastruktur, etwa Software, Drucke und anderes.

STANDARD: Olympus hat sich sehr gut im gehobenen Konsumentensegment etabliert, aber diese Bedeutung nie bei Spiegelreflexkameras (SLR) und im professionellen Markt erreicht. Werden Sie diesen Markt aufgeben? Kishimoto: Es stimmt, wir haben uns bei SLR nicht so gut entwickelt. Seit über zehn Jahren haben wir uns auf Kompaktkameras konzentriert und den Übergang zu digitaler Technologie. Auch Endoskope und andere unserer Medizinprodukte sind im Kern digitale Kameras.

Im Digitalbereich haben wir jedoch beschlossen, die ganze Bandbreite von Kameras, auch SLR, zu entwickeln. Wir wollen eine Kamera auf SLR-Basis, die unser Flag-Carrier ist. Viele Benutzer, vor allem Profis, ziehen solche Kameras vor. Im Analogbereich werden wir uns hingegen auf Kompaktkameras konzentrieren.

STANDARD: Werden Handys mit Kameras eine Konkurrenz für reine Fotoapparate? Kishimoto: Davon bin ich überzeugt. Es wird heuer Handys mit Kameras mit einem Megapixel Auflösung geben, nächstes Jahr zwei Megapixel. Zwei Faktoren begrenzen diese Entwicklung: Die Größe der Kameras und der Preis für aufwändigere Technik. Handys müssen klein und nicht allzu teuer sein. Wir leben nicht in diesem Markt billiger Kameras, den können die Handyhersteller haben.

Im vergangenen Jahr sind bei Kameras vor allem Geräte mit hoher Auflösung und starken Features gewachsen, das ist unser Markt. Leute, die gerne fotografieren, verwenden eine Kamera, kein Handy.

STANDARD: Ihre Kernkompetenz ist Optik, sowohl bei Kameras als auch Medizintechnik. Werden Sie sich weiterhin darauf begrenzen? Kishimoto: Nein, sicher nicht, auch wenn Optik unsere Grundlage bleibt. Nur mit optischer Technologie könnten wir nicht überleben. Vor zehn Jahren haben wir sieben Technologien festgelegt, die unser Fokus sind. Dazu gehören unter anderem Nanotechnologie und Genomtechnologie.

Unsere Gewinne gingen vom Kamerageschäft in die Endoskope, jetzt werfen Endoskope Gewinne ab. Einen Teil dieser Profite investieren wir in neue Aufgaben, vor allem bei Nanotechnologie und Genomtechnologie. Im Bereich Genomtechnologie werden wir heuer im Sommer richtig einsteigen.

STANDARD: Hat Olympus Österreich besondere Aufgaben bei der EU-Erweiterung? Kishimoto: Wir verfolgen ein Konzept der Regionalisierung, Wien ist dabei Zentrum unserer zentraleuropäischen Einheit. So ist Wien u. a. unser IT-Zentrum für alle umliegenden Länder.

STANDARD: Planen Sie, in Produktionsstätten in Österreich zu investieren? Kishimoto: Derzeit nicht; unsere Produktionsstätten orientieren sich an den Marktkosten. Im Konsumentenbereich werden die meisten Kameras in China gefertigt, Mikroskope auf den Philippinen. In Deutschland produzieren wir einige medizinische Geräte . . .

STANDARD: . . . dort sind die Arbeitskosten höher als in Österreich. Kishimoto: Ein Zufall, wir haben ein deutsches Unternehmen gekauft, mit spezieller Technologie bei Laborautomation. Wenn wir ein wirklich gutes Unternehmen in Österreich finden, dann könnte es schon sein, dass wir zusammenkommen. (DER STANDARD Mittwoch, 26. Februar 2003)

Olympus ist einer der Marktführer bei digitalen Kameras und Medizintechnik auf optischer Basis. Bei einem Wien-Besuch sprach Olympus- Chairman Masatoshi Kishimoto mit Helmut Spudich über die Entwicklung von Markt und Konzern mit 19.000 Mitarbeitern.
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