"Privater" Bombenbau, Brandanschlag und Waffenlager: politisch oder nicht?

25. Februar 2003, 19:29
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Wenn in Wien ein paar Skinheads einen Ausländer zusammenschlagen, wenn ein Student, der gerne die Taten der deutschen Wehrmacht preist, eine voll funktionstüchtige Bombe baut oder ein Jugendlicher einen Brandanschlag auf ein Asylantenheim in Wels mit einem Todesopfer durchführt, heißt es zunächst von den Sicherheitsbehörden: "Kein politischer Hintergrund." So bleibt die Statistik sauber und so können unsere Behörden stolz darauf verweisen, dass das halt bei uns (im Gegensatz etwa zu Deutschland) kaum vorkommt.

Etwas nähere Nachschau bringt dann schon ein bisschen einschlägige Literatur zutage, aber das hat auch eine Erklärung: "Historisch interessiert" seien die Betreffenden halt gewesen. Nun werden im Salzkammergut, Großraum Ebensee und Bad Ischl, größere Waffenlager ausgehoben. Gewehre, ein Maschinengewehr vom (modernisierten) Typ MG 42 der Deutschen Wehrmacht, Sprengstoff. Und was meint die oberösterreichische Sicherheitsdirektion? Richtig: "Kein politischer oder rechtsextremer Hintergrund." Motiv seien nur der "Sammeltrieb" und die "Leidenschaft" gewesen, "eine Waffe, am besten eine Maschinenpistole, zu besitzen". Ja, und die Erde ist eine Scheibe. (Rau/DER STANDARD; Printausgabe, 26.2.2003)

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