Drogenanbau hemmt Entwicklung

25. Februar 2003, 19:31
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Jahresbericht des Internationalen Suchtstoffkontrollrates - mit Kommentar

Wien - Anbau und Handel von Drogen sind kein Mittel zu Wohlstandsvermehrung und Wirtschaftswachstum. Dies ist eine der Kernaussagen des am Dienstag in Wien präsentierten Jahresberichts des Internationalen Suchtstoffkontrollrates. Das am Wiener UN-Sitz angesiedelte Gremium beschäftigt sich darin schwerpunktmäßig mit dem Einfluss illegaler Drogenproduktion und -verbreitung auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Ratspräsident Philip Emafo bringt die Problematik auf den Punkt: "Die kurzfristigen Vorteile kommen nur wenigen zugute, während die langfristigen Nachteile viele treffen." Einerseits erhalten die Schlafmohn- und Kokabauern nur ein Prozent des von Drogenkonsumenten bezahlten Betrags, andererseits fließen die von der Drogenmafia lukrierten Gewinne in illegale Aktivitäten wie etwa Geldwäsche.

Beispiel Afghanistan

Die langfristige Destabilisierung eines Landes durch Drogenhandel lässt sich am Beispiel Afghanistans ersehen: Der Anstieg der dortigen Opiumproduktion Anfang der 90er-Jahre senkte nicht nur den Lebensstandard, er kann auch als einer der auslösenden Faktoren für den damaligen Bürgerkrieg angesehen werden. Das Anbauverbot für Schlafmohn durch das radikalislamische Talibanregime war indes nur eine Zäsur. Durch die Rückkehr von Flüchtlingen in die Anbaugebiete hat die Produktionsrate mittlerweile annähernd den alten Wert erreicht.

Gefahren sieht der Rat auch in Bezug auf legale Opiate, die vor allem in der Schmerztherapie eingesetzt werden: Die Herstellung übersteigt deutlich den Bedarf, Lagerbestände könnten in den Drogenhandel gelangen. Pikanter Nebenaspekt: Obwohl der Markt für legale Opiate von der Größe her in etwa dem illegalen Markt entspricht, fehlt in vielen Entwicklungsländern der Zugang zu entsprechenden Medikamenten.

Negativ beurteilt der Bericht die vor allem in Europa herrschende Tendenz, den Cannabiskonsum zu liberalisieren oder gar zu legalisieren. Versuche afrikanischer Staaten, den Cannabisanbau zu bekämpfen, würden ebenso konterkariert wie Präventionsstrategien in den Industrieländern. (hed/DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2003)

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