Stilvolle Arbeit am Musikprozess

25. Februar 2003, 19:18
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Louis Sclavis gastiert im Porgy & Bess

Der Mann ist in Europa einer jener subtilen Künstler, die eine gewisse stilistische Eigenständigkeit erreicht haben und es folglich nicht nötig haben, unentwegt in Richtung Uncle Sam zu schauen. Louis Sclavis, Franzose, wandert mit seiner Bassklarinette gerne im freejazzigen Bereich herum, ist lange auch als Vertreter der imaginären Folklore in Erscheinung getreten und versteht es auch, auf subjektive Art und Weise in die Klassik (die Einspielung "Les Violences De Rameau") einzutauchen.

Sclavis arbeitete auch schon mit Anthony Braxton, Joe Lovano und Cecil Taylor zusammen - nach Wien kommt er im Trio, einer wirklich jazzklassischen Besetzung, mit Bruno Chevillon und François Merville (er arbeitete mit Pierre Boulez und K. H. Stockhausen zusammen). Stilfragen sind ihm mittlerweile übrigens nicht mehr sehr wichtig:

Sclavis: "Es sind hauptsächlich die Leute, mit denen ich spiele, die meine Musik prägen. Da gibt es nie ein bestimmtes Konzept. Ich schließe mich einfach mit dem Background meiner Partner kurz. Es muss eine Verbindung existieren, in der sich alles von selbst entwickeln kann."

Seine Aufgabe bestehe nur darin, die entsprechenden Kompositionen vorzulegen "und meine Stimme einzubringen. Alles andere ist ein freier Prozess." Ein Prozess, den Sclavis auch als Improvisator gut bewältigt. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 26.02.2003)


1. März; Porgy & Bess, 1.,
Riemergasse 11,
(01) 512 88 11.
21.00
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