"Techno-Autismus" vs. Community-Soziotop

25. Februar 2003, 19:15
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Psychologen warnen vor Auswirkungen des Internets - Zwischenmenschlicher Gefühlsausdruck soll gestört sein

Rom - Italienische Psychologen haben wegen der ständig wachsenden Rolle des Internets im Gefühlsleben vieler Nutzer Alarm geschlagen. Etwa 90 Prozent der Männer, 85 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Kinder suchten im weltweiten Datennetz nach Liebe und Freundschaft, heißt es in einem Bericht, der am Dienstag auf einem Psychologenkongress in Rom vorgestellt wurde.

Vor allem bei Kindern führe übermäßige Nutzung zu einem Besorgnis erregenden Syndrom, dem die Experten den Namen "Techno-Autismus" gaben: Die Mädchen und Buben seien unaufmerksam, nervös und unfähig, ohne Vermittlung des Computers zwischenmenschliche Gefühle auszudrücken, hieß es. "Immer mehr emotionale Bindungen spielen sich über den Bildschirm ab, ob bei Erwachsenen oder Kindern", so der Vorsitzende des italienischen Psychologenverbands, Tonino Cantelmi.

Suchtartige Nutzung

Den Experten zufolge sind vor allem Männer zwischen 16 und 40 Jahren von suchtartiger Nutzung des Internets betroffen. Zehn Prozent von ihnen seien mehr als sechzig Stunden pro Woche online. Neunzig Prozent der männlichen Nutzer besuchten erotische Sites, bei den Frauen sind es 85 Prozent. Elektronische Kommunikation mittels einer Online-Kamera ("Webcam") werde immer beliebter.

Vor allem bei Frauen sei das Phänomen zu beobachten, dass sie bei derartigen Kontakten mit Männern in eine andere Rolle schlüpften. Viele verhielten sich "narzistisch", sie wollten bewundert werden. Von den minderjährigen Internet-Usern zwischen sechs und zehn Jahren surft der Studie zufolge jeder Dritte sechs bis sieben Stunden pro Woche im Netz. (APA/AFP)

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