Frank Stronach, gegen den Wind

26. Februar 2003, 10:41
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Frank Stronachs Rennbahn-Firma Magna Entertainment (MEC) hat kürzlich ihre Jahresbilanz 2002 veröffentlicht. Die sieht nicht allzu gut aus.

Nikolaus Dolenz

Wien - Manager Jim McAlpine begründet den Verlust von 14,4 Millionen Dollar (Gewinn 2001: noch 13,5 Mio.) vor allem mit Abschreibungen, schwächerem Wettgeschäft und weniger Immobilienverkäufen. Doch heuer soll alles besser werden - wenn die Wirtschaft nicht schwächer wird; wenn er auf den Rennbahnen Spielautomaten aufstellen darf (wobei die Steuer kräftig mitnaschen will); wenn die restlichen Immobilien verscherbelt werden.

Verschämte Zukunftshoffnungen setzen McAlpine und Boss Frank Stronach auf die neue Rennbahn im österreichischen Ebreichsdorf. Sie kommt in den Angaben für US-Investoren allerdings kaum vor. Bisher war Österreich für MEC vor allem Quelle von Immobiliengewinnen. So auch 2002, wo wieder etliches mit gutem Profit an Mutterfirma Magna International verscherbelt werden konnte. Auf Nachfrage meinte McAlpine nach einigem Zögern, Ebreichsdorf werde MECs europäische Drehscheibe für ein umfangreiches Wettgeschäft werden. Aber Amerika ist weit, und über die Rückgänge der Pferdewetten im "alten Europa" haben ihm seine europäischen Manager vielleicht noch nicht berichtet.

Außerdem geht die Hoffnung in Ebreichsdorf - wie in den USA - offensichtlich dahin, das schwindende Pferdewettgeschäft durch Spielautomaten zu stützen. Die Verbindung zu den Casinos Austria liegt mindestens so nahe wie Baden bei Ebreichsdorf. Sie wird notwendig sein, denn Pferdewetten sind ziemlich "out". Was den Rennsport, der aus den Wetten finanziert wird, ins Mark trifft. In Deutschland sind bereits drei Rennbahnen in Konkurs geschlittert. Weitere dürften folgen. Englands Buchmacher setzen längst mehr auf Fußball als auf Pferde - wie ihre österreichischen Kollegen. Selbst in Frankreich werden Rennen oft vor fast leeren Tribünen gelaufen. Nur wird dort man- gels Alternativen und mit einem flächendeckenden Wettnetz auf Pferde gewettet, während im sonstigen Kontinentaleuropa andere Sportwetten und immer neue Formen des Glücksspiels die Basis der Pferderennen austrocknen.

Daher schwinden die aus den Wetten finanzierten Rennpreise, mit ihnen die Zahl der Pferdehalter und Pferde. Seit 1990 schrumpfte in Deutschland die Zahl der im Trabrennsport aktiven Pferdebesitzer von 6100 auf 3700, jene der Fohlengeburten von 2700 auf 1760. In Österreich gingen die Fohlengeburten im selben Zeitraum von 538 auf 319 zurück, die Zahl der Trabrennen von 1608 im Jahr 1996 auf 1190 im Vorjahr. Von den Galoppern ganz zu schweigen, die seit Jahren in der Freudenau ein kümmerliches Dasein fristen, das 2003 wohl zu Ende geht. Können Stronach und seine MEC unter diesen Umständen wirklich die Rettung bringen? (DER STANDARD, Printausgabe, 26.02.2003)

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