Körberlgeld aus dem Gesundheitswesen

25. Februar 2003, 17:15
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Schwarzblau will eine Milliarde einsparen - Selbstbehalte und Beitragserhöhungen stehen ins Haus

Wien - Die künftige Regierung hat sich vorgenommen, eine Milliarde Euro im Gesundheitswesen zu sparen. Ein Viertel des Geldes soll aus Strukturreformen, ein Viertel durch Sparen bei Medikamenten, ein Viertel durch neue Selbstbehalte und ein weiteres Viertel durch Beitragserhöhungen hereinkommen.

So sollen zwar nicht dezidierte Beitragserhöhungen kommen, aber die Krankenversicherung wird auf 7,3 Prozent vereinheitlicht. Das bringt der Regierung eine Art "Körberlgeld", weil das arithmetische Mittel zwischen Arbeiter und Angestellten derzeit 7,2 beträgt. Unter anderem werden die Pensionisten mehr als bisher für ihre Gesundheitsversorgung zahlen müssen.

Für einen Arztbesuch soll künftig ein Fixbetrag zu berappen sein. Eine Überweisung ins Spital kostet das Doppelte. Die Krankenscheingebühr wird mit Einführung der Chipcard fallen. Langfristig sollen nicht nur die Versicherungsbeiträge, sondern auch die Selbstbehalte aller Gruppen harmonisiert werden. Große Mehreinnahmen sind hier aber nicht zu erwarten. Österreich liegt laut einer internationalen Studie an dritter Stelle der OECD-Staaten, was private Zuzahlungen zum Gesundheitswesen betrifft.

Die Krankenkassen der Bauern, Beamten, Eisenbahner und die Gewerbetreibenden-Kassen verlieren durch die Vereinheitlichungen ihren eigenständigen Charakter.

Arbeitnehmer werden eine Freizeitunfallversicherung abschließen müssen.

Bei Medikamenten soll es Anreize für die Verschreibung von Generika (billige Nachahmerpräparate) geben.

Die ÖVP wünscht sich Ländertöpfe für das Gesundheitswesen, das damit - zumindest bundesländerweise - aus einer Hand gezahlt wird. In einer Art "Clearingstelle" werden die Zahler versammelt. Damit kann man "elegant" auch gleich die (roten) Obmänner der Krankenkassen entmachten, die - ähnlich wie im Hauptverband - nur mehr Aufsichtsratsfunktion übernehmen könnten. An Bedeutung würde auch die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) verlieren.

Die FPÖ wünschte sich (wie davor die Grünen) bis zuletzt mehr zentrale Verantwortung des Bundes, was auch Verwaltung in den Ländern ersparen könnte.

Allerdings möchte die Regierung auch ein paar "Goodies" verteilen. In Diskussion ist beispielsweise das Fallen des Krankenhaus-Taggeldes. Die Kassen könnten weiters Zahnregulierungen für Kinder zumindest teilweise bezahlen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2003)

Vereinheitlichung der Krankenversicherungs- beiträge auf 7,3 Prozent, eine Freizeitunfall- versicherung und "Harmonisierung" der Selbstbehalte: Das sind die Eckpunkte der bevorstehenden Gesundheitsreform.

von Martina Salomon
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