"Le Monde" kündigt wegen Skandalbuchs Klagen an

25. Februar 2003, 16:00
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Aber keine Einstweilige Verfügung vor Publikation beantragt

Die Direktion der Pariser Zeitung "Le Monde" hat wegen der bevorstehenden Veröffentlichung eines Skandalbuchs über ihre mutmaßlichen Bilanztricks und ihre angebliche gezielte politische Einflussnahme Klagen angekündigt. Die Klagen sollten sich gegen die beiden Buchautoren Pierre Pean und Philippe Cohen, das Verlagshaus "Mille et une nuits" und den Verleger Claude Durand richten, heißt es in der Mittwoch-Ausgabe der Zeitung.

Auf das Beantragen einer Einstweiligen Verfügung gegen die für Mittwoch angekündigte Veröffentlichung des Buches "La face cachee du Monde" (etwa: "Die verborgene Seite von 'Le Monde'") sei jedoch verzichtet worden, weil sich die Zeitung der "Meinungsfreiheit" verpflichtet fühle.

"Le Monde" will auch die Vorabveröffentlichung von Auszügen des Buches in der Wochenzeitung "L'Express" juristisch verfolgen. Auf mehreren Seiten ihrer Mittwochsausgabe sucht die Zeitung die von Pean und Cohen erhobenen Vorwürfe zu entkräften. In einem namentlich nicht gezeichneten Kommentar wirft das Blatt den Buchautoren vor, sie seien von "Hass" getrieben. Zugleich hält sich "Le Monde" zu Gute, wegen ihrer Qualität die am meisten beachtete französischsprachige Tageszeitung der Welt zu sein und eine beständig wachsende Auflage zu haben.

Vorwürfe vor allem gegen Jean-Marie Colombani

Pean und Cohen richteten ihre Vorwürfe vor allem an die Adresse von "Le Monde"-Herausgeber Jean-Marie Colombani und Chefredakteur Edwy Plenel, denen sie Denunziation, Zynismus und Machtmissbrauch vorwerfen. Plenel soll in unzulässiger Weise mit einem Chef der Polizeigewerkschaft zusammengearbeitet haben. Durch Statutenänderungen habe Colombani verhindert, dass sich vor seiner Wiederwahl als Herausgeber im Jahr 2000 Gegenkandidaten präsentieren konnten. Vor den Präsidentschaftswahlen 1995 habe sich die Direktion auf die Seite des konservativen Bewerbers Edouard Balladur geschlagen, ohne dies redaktionell klar zu erkennen zu geben.

Außerdem werfen die beiden Journalisten der Leitung von "Le Monde" vor, mit Blick auf einen geplanten Börsengang die Bilanzen geschönt dargestellt und Millionenverluste des Blattes vertuscht zu haben. Colombani habe sich unterdessen persönlich bereichert, sein Monatsgehalt auf fast 30.000 Euro heraufgesetzt und versucht, durch Versteuerung seines Einkommens am Wohnort seiner korsischen Familie ungerechtfertigte Vorteile zu erlangen.(APA/AFP)

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