Turkmenische Minderheit im Nordirak verzichtet auf türkischen Schutz

25. Februar 2003, 15:01
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Volksgruppe lebt unter kurdischer Kontrolle

Sulaimaniya - Die turkmenische Minderheit im kurdisch kontrollierten Nordirak sieht keine Notwendigkeit eines Militäreinsatzes der Türkei zu ihrem Schutz. Das sagte der Führer der Turkmenischen Volkspartei, Irfan Kirkukli, am Dienstag in der nordostirakischen Provinzhauptstadt Sulaimaniya. Eine Einmischung der Türkei würde nur die geopolitische Lage in der Region komplizierter machen. Kirkukli reagierte damit auf Überlegungen in der Türkei, im Falle eines amerikanschen Angriffes auf den Irak eigene Truppen im Norden des Landes zu stationieren, um die turkmenische Minderheit zu beschützen und die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaates zu verhindern.

Der Turkmenenvertreter bewertete die Beziehungen zwischen seiner Volksgruppe und den Kurden als ausgewogen und wies Vorwürfe aus der Türkei zurück, die Rechte der Turkmenen im Nordirak würden verletzt. Nach langer Unterdrückung durch das Regime von Saddam Hussein hatte sich die Situation der Turkmenen nach dem Golfkrieg vor zwölf Jahren und der Bildung einer autonomen Kurdenregion im Nordirak verbessert. Die Turkmenen konnten unter anderem auch eigene politische Parteien gründen.

Internationale Menschenrechtsgruppen haben davor gewarnt, dass es zu Übergriffen von Kurden gegen Turkmenen im Fall eines türkischen Einmarsches kommen könnte. Die Kurden wollen den Turkmenen nur einen Minderheitenstatus im Gebiet von "Kurdistan" gewähren, die Turkmenen beanspruchen aber eine eigene Verwaltungsregion in einem künftigen demokratisierten Irak. Es hieß, sollten die Kurden nach einem US-Militärschlag auf Kirkuk vorrücken, sei damit zu rechnen, dass die Turkmenen die Türkei um Hilfe bitten. (APA/dpa)

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