Mannesmann-Affäre: Bis zu 57 Millionen Euro Schaden

25. Februar 2003, 14:34
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Sechs Top-Manager droht Prozess wegen schwerer Untreue

In der Mannesmann-Abfindungsaffäre sollen die von der Staatsanwaltschaft beschuldigten sechs Top-Manager einen Schaden von bis zu 111 Mio. DM (57 Mio. Euro) angerichtet haben. Die Düsseldorfer Ermittler bestätigten am Dienstag offiziell die Anklage: Danach droht unter anderem dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, IG Metall-Chef Klaus Zwickel - als früheren Aufsichtsräten bei Mannesmann - und dem ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser ein Prozess wegen besonders schwerer Untreue. Im Falle einer Verurteilung könnte das Strafmaß bis zu zehn Jahre Haft betragen.

Zweimonatige Frist

Das Düsseldorfer Landgericht hat den Verteidigern eine zweimonatige Frist für Stellungnahmen eingeräumt. Danach wird entschieden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird und damit in einen der spektakulärsten Wirtschafts-Strafprozesse mündet.

Der bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone von den Beschuldigten verursachte Schaden liege zwischen 76 und 111 Mio. DM (zwischen 39 und 57 Mio. Euro) sagte der Leiter der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, Hans-Reinhard Henke. Mehrere Zahlungen von Prämien und Pensionen hätten den Interessen des Unternehmens und den Bestimmungen des Aktienrechts widersprochen. Besonders die "Anerkennungsprämien" hätten "allein der Bereicherung der Begünstigten" gedient, nicht dem Wohl des Unternehmens. Es handle sich um "bewusste Schädigungen des Gesellschaftsvermögens und um schwer wiegende Pflichtverletzungen".

Beihilfe zur Untreue

Zu den weiteren Angeschuldigten zählen der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, Betriebsratschef Jürgen Ladberg und Personalchef Dietmar Droste, gegen den als einzigen nur wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt wird.

Essers Darstellung, wonach mit den Prämien seine Leistungen besonders hinsichtlich des Börsenkurses honoriert werden sollten, ist nach Ansicht der Staatsanwälte widerlegt - ebenso seine Aussage, er habe auf die Sonderzahlungen keinen Einfluss genommen.

Erhebliche Sonderzahlungen

Esser und Funk hätten sich als Gegenleistung für ihre Zustimmung zu einer "freundlichen" Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone erhebliche Sonderzahlungen zusichern lassen und sich dabei über ihre nach dem Aktienrecht festgelegten Zuständigkeiten hinweggesetzt. Zwickel und Ackermann hätten die Beschlüsse mit durchgesetzt, obwohl sie von deren Rechtswidrigkeit gewusst hätten.

Gegen vier weitere damalige Vorstandsmitglieder wird in einem abgetrennten Verfahren weiter ermittelt. Die Ermittlungen gegen Vodafone-Chef Sir Christopher Gent seien eingestellt worden. Ein IG Metall-Sprecher bekräftigte am Dienstag, dass Klaus Zwickel den Millionen-Prämien nicht zugestimmt und selbst keinen Cent erhalten habe. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Auch die anderen Betroffenen hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Anklageschrift umfasst 460 Seiten, die Prozessakten 31 Bände. die Ankläger haben 61 Zeugen benannt, darunter auch Wirtschaftsprüfer der damals für Mannesmann tätigen KPMG.(APA/dpa)

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