Der lange Weg der DNA - Von Mendel bis Venter

25. Februar 2003, 14:24
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Wien - Die Entschlüsselung der Struktur der Erbsubstanz DNA (Desoxyribonukleinsäure) durch James Watson und Francis Crick vor fünfzig Jahren gilt als Jahrhundertentdeckung. Zahlreiche wissenschaftliche Vorarbeiten waren Voraussetzung dafür. Seit 1953 hat die Doppel-Helix-Struktur einen Siegeszug zur verschiedenste Forschungsbereiche angetreten, neue Wissenschaftsgebiete entstanden, ein Ende der Entwicklung ist nicht einmal in Ansätzen zu erkennen. Im Folgenden eine wichtige Meilensteine auf dem langen Weg der DNA:

1865 - Der österreichische Augustinermönch Gregor Mendel entdeckt in Versuchen in einem Klostergarten in Brünn die Gesetze der Vererbung, doch seine Experimente werden kaum beachtet.

1869 - Der Schweizer Pathologe Friedrich Miescher isoliert in Fischspermien und anderem biologischen Material erstmals die Nukleinsäure, weiß aber nicht, dass es sich dabei um die Erbsubstanz handelt.

1900 - Unabhängig voneinander entdecken drei Forscher - der Deutsche Correns, der Österreicher Armin Tschermak und der Niederländer De Vries - die Mendelschen Gesetze wieder. De Vries berichtet 1901 erstmals über Mutationen.

1911 - Der US-Forscher Thomas Hunt Morgan zeigt durch Versuche an Fruchtfliegen, dass auf Chromosomen lokalisierte Gene Träger der Vererbung sind. Morgan erhält 1933 den Medizinnobelpreis.

1943 - Dem britischen Biochemiker Willian Astbury gelingt die erste Röntgenaufnahme der DNA.

1944 - Oswald Avery, Colin MacLeod und Maclyn McCarty vom New York Rockefeller Research Institute beweisen, dass sich genetische Merkmale durch DNA von einem Organismus auf einen anderen übertragen lassen, das heißt dass die DNA der Träger der Erbsubstanz ist.

1949 - Der aus Österreich stammende US-Biochemiker Erwin Chargaff weist die Basenkomplementarität der DNA nach, das heißt dass in jedem DNA-Strang die Basen-Bausteine Adenin (A) und Thymin (T) sowie Cytosin (C) und Guanin (G) jeweils im Verhältnis eins zu eins auftreten.

1951 - Rosalind Franklin vom Kings College in London gelingen die ersten Röntgenaufnahmen von kristallisierter DNA. Sie liefert damit die Basis für das Modell von Watson und Crick.

1953 - Der amerikanische Biologe James Watson und der englische Physiker Francis Crick beschreiben am Cavendish Laboratory in Cambridge (GB) die DNA-Struktur als doppelsträngiges Molekül (Doppelhelix).

1962 - James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins, der wie Rosalind Franklin Röntgenuntersuchungen an der DNA durchgeführt hat, erhalten den Medizin-Nobelpreis.

1973 - Forscher produzieren den ersten gentechnisch veränderten Organismus, das Darmbakterium Escherichia coli.

1977 - Amerikanische Wissenschafter schleusen erstmals genetische Informationen aus menschlichen Zellen in Bakterien ein.

1978 - In Großbritannien wird das erste Retortenbaby geboren. Es ist durch künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) gezeugt worden.

1982 - Das erste gentechnisch hergestellte Medikament (Insulin) kommt in den USA auf den Markt.

1983 - Kary B. Mullis entwickelt die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit deren Hilfe sich DNA beliebig vermehren lässt.

1990 - Offizieller Start des staatlich finanzierten Human-Genom-Projekts (HGP) zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts.

1997 - Schottische Forscher präsentieren das sieben Monate alte Klonschaf Dolly. Es ist das erste aus einer erwachsenen Zelle geklonte Säugetier. Doch Dolly muss nach nur sechs Lebensjahren im Februar 2003 auf Grund einer Lungenkrankheit eingeschläfert werden.

2000 - Der US-Genetiker und Unternehmer Craig Venter und das internationale staatliche Human-Genom-Projekt präsentieren eine grobe Karte des menschlichen Erbguts.

2001 - Craig Venter und das Human-Genom-Projekt veröffentlichen eine detailliertere Karte des menschlichen Erbguts.

2002 - Die französische Wissenschafterin Brigitte Boisselier, Chefin des US-Unternehmens Clonaid der UFO-gläubigen Raelianer-Sekte, gibt die Geburt des ersten geklonten Kinds bekannt. Bisher ist die Sekte allerdings den Nachweis schuldig geblieben, dass es sich tatsächlich um einen menschlichen Klon handelt. (APA)

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