Netztarifsenkung soll Kunden weiter entlasten

25. Februar 2003, 14:22
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E-Control: Gas und Strom werden billiger - Kritik an geringem Preisrückgang nach Liberalisierung

Wien - Die für heuer vorgesehenen Senkungen der Netztarife sowohl bei Gas als auch bei Strom sollen den Kunden weitere Entlastungen bringen. Von der Strommarktliberalisierung profitiert haben bisher vor allem Industriekunden. Aber auch den Haushalten sei die Liberalisierung zu Gute gekommen, wenngleich ein "enttäuschend großer Anteil" durch Steuer- und Abgabenerhöhungen wieder überkompensiert worden sei, so Energieregulator Walter Boltz am Dienstag bei der Präsentation des Jahresberichtes der E-Control GmbH.

Auf Basis der Daten des Verbraucherpreisindex (VPI) seien die Strompreise für Haushaltskunden österreichweit seit 1999 durchschnittlich um 2 Prozent gesunken. Bei der Industrie waren es dagegen rund 50 Prozent. Für die Industrie sei nach der Phase der aggressiven Preissenkungen der Erhalt des derzeitigen Niveaus realistisch. Es finde nun eine Anpassung an die Großhandelspreise statt.

Zehn Prozent Minus bei Gas

Die Senkung der Gas-Netztarife dürfte in der ersten Phase Preissenkungen von durchschnittlich 10 Prozent bringen. Mit ersten Anpassungen sei per Anfang Mai, eventuell sogar schon per Anfang April, zu rechnen. Bis Anfang Oktober sollten alle Netztarife überprüft sein. Beim Strom sei davon auszugehen, dass "erkennbare" Senkungen der Netztarife innerhalb der nächsten drei Jahre realisierbar seien, so Boltz. Vom mittelfristigen Gesamtpotenzial von minus 30 Prozent seien in der ersten Phase der Liberalisierung 10 Prozent realisiert worden, wie viel die nunmehrige zweite Phase bringen könnte sei derzeit noch nicht feststellbar. Die Diskussion mit den 137 Netzbetreibern sei im Laufen.

Die neuen Strom-Netztarife sollen per Anfang Oktober in Kraft treten und dann für drei Jahre gültig sein. Eine Entlastung werde sowohl bei Massenkunden, bei denen die Netztarife am höchsten seien, als auch für die Industrie Entlastungen bringen. Der Anteil der Netztarife am gesamten Netto-Strompreis (ohne Steuern und Abgaben) liegt bei den Haushaltekunden rund zweieinhalb bis drei Mal über dem reinen Energiepreis.

Wenige Wechselwillige

Nach wie vor gering ist die Zahl jener Haushalte, die ihren Stromversorger wechselt. Seit Anfang Oktober 2001, als die freie Lieferantenwahl auch für Haushalts- und Gewerbekunden ermöglicht wurde, wechseln pro Quartal rund 7.000 Haushalte. Zu den Wechslern zählten wegen der höheren Ersparnismöglichkeiten vor allem größere Haushalte. Boltz rechnet damit, dass die Wechselrate steigen wird, allerdings werde das noch einige Zeit dauern. Bei den Gewerbekunden liege die Wechselrate bei 8 bis 10 Prozent.

Zwischen Anfang Oktober 2001 und Anfang Oktober 2002 haben rund 65.800 Kunden zumindest einmal ihren Versorger gewechselt. Umgeschichtet wurden dabei rund 3.900 GWh Jahresstrombezug, das sind rund 8 Prozent des gesamten Jahresbezuges. Überdurchschnittlich hohe Wechselraten gab es in Kärnten (2,6 Prozent), in der Steiermark (2,4 Prozent) und in Niederösterreich (1,5 Prozent). Salzburg und Wien lagen mit je 1,3 Prozent knapp am österreichischen Mittelwert. Unterdurchschnittlich waren die Wechselraten in Burgenland (1,1 Prozent), in Oberösterreich und Tirol (je 0,8 Prozent) und in Vorarlberg (0,7 Prozent).

Die völlige Gasmarktöffnung per Anfang Oktober 2002 hat bisher rund 4.000 Haushaltskunden dazu bewogen, ihren Gaslieferanten zu wechseln. Boltz zeigte sich heute zufrieden damit, dass es mittlerweile vier alternative Anbieter gibt. Zu Liberalisierungsbeginn war es lediglich ein Unternehmen. Immer beliebter würden bei den Kunden so genannte Multi-Utility-Angebote, also die Kombination von Gas- und Strombezug durch einen alternativen Anbieter.

Keine Probleme bei Strom-Versorgungssicherheit

Die Versorgungssicherheit mit Strom ist in Österreich für die nächsten Jahre nicht gefährdet, betonte Österreichs oberster Energieregulator, E-Control GmbH-Chef Walter Boltz, am Dienstag bei einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des E-Control-Jahresberichtes. In Österreich und Zentraleuropa gebe es auf Grund der Überkapazitäten in der Erzeugung auf absehbare Zeit keine Versorgungsprobleme. Auftreten könnten allerdings punktuelle Schwierigkeiten, wenn Leitungen nicht gebaut würden, das sei aber "normal".

Es gebe keinerlei Indikatoren, dass die Versorgungssicherheit in Österreich durch die Liberalisierung schlechter geworden sei. Für die nächsten acht bis zehn Jahre sei in Österreich mit keinerlei Problemen zu rechnen. Es gebe keinen Grund, "eine Panik anzuzetteln, die Fakten sprechen dagegen", so Boltz.

Regulator zuversichtlich

Bei den punktuellen Leitungsproblemen in der Steiermark - es geht um den Lückenschluss des 380-kV-Netzes - ist der Energieregulator zuversichtlich, dass es in den nächsten Jahren zum Bau kommt. Faktum sei, dass in es der Nord-Süd-Verbindung im Höchstspannungsnetz zu Engpässen komme. Das Engpassmanagement mit Abschaltungen effizienterer Kraftwerke im Norden und Zuschaltungen im Süden könnte allerdings zu Kostendiskussionen führen.

Engpässe seien aber per se nichts Schlechtes, sondern ein Hinweis für effiziente Ressourcennutzung. Allerdings dürften sie nicht zu Systemproblemen führen.

Der derzeitige gesetzliche Rahmen zur Versorgungssicherheit reicht nach Ansicht von Boltz aus. Ein Versorgungssicherheitsbeirat sei eingerichtet. Es gehe um eine vernünftige Koordination zwischen Netzbetreiber, Regelzonenführer und Regulator.(APA)

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