Leichte Frauenarbeit - schwere Männerarbeit?

25. Februar 2003, 13:27
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Untersuchung der Kollektivverträge von MetallerInnen mit (gar nicht) erstaunlichen Resultaten

Wien - "Mit gutem Beispiel voran" nennt sich ein Projekt der Gewerkschaft Metall - Textil (GMT), das in Zusammenarbeit mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft die Kollektivverträge der GMT unter Gender Mainstreaming Aspekten untersucht hat. Die Ergebnisse und eine Handlungsanleitung wurden heute im Rahmen einer Tagung präsentiert.

Überprüft wurden unter anderem Punkte wie Beginn und Ende von Arbeitsverhältnissen, Arbeitszeiten, Nachtarbeit, Überstunden, Sonn- und Feiertagsarbeit, Prämienarbeit, Abfertigungen, Möglichkeiten zu Aus- und Weiterbildung, aber auch sprachliche Formulierungen.

Einige Ergebnisse

  • Entlohnung/Einstufungen: Im Metallbereich ist vor allem die Ausbildung Kriterium für die Einstufung, im Textilbereich sind es überwiegend die verrichteten Tätigkeiten. Dazu kommt noch, dass in so genannten "haushaltsnahen" Berufen, die meist von Frauen ausgeübt werden, Kenntnisse einfach als gegeben angenommen und in der Lohngestaltung nicht näher berücksichtigt werden. Nach dem Motto, dass Frauen ohnehin Bügeln und Nähen können, das muss sich also im Lohn nicht niederschlagen.

  • Abgeltung von Überstunden: Männer bekommen sie meistens in Geld, Frauen in Zeit, wobei die Abgeltung nicht gleichwertig ist. Das schlägt sich in weiterer Folge auch auf die Berechnung von Ansprüchen nieder, die sich aus allen Entgeltbestandteilen, also auch den Überstunden, berechnen (Abfertigung, Jubiläumsgeld etc.).

  • Anrechnungszeiten für Abfertigungen: Präsenz- oder Zivildienst werden dafür angerechnet, Karenzzeiten aber nicht. Da stellt sich uns natürlich die Frage, ob der Dienst am Vaterland wertvoller ist, als die "Privatsache" der Frauen, Kinder zu bekommen und großzuziehen. In einigen Metall-Kollektivverträgen hat die GMT diese Regelung "repariert", da wird nun zumindest ein Teil der Kinderpause angerechnet. Gleiches gilt zum Beispiel auch beim Jubiläumsgeld, wo Männer leichter eine durchgehende Dienstzeit schaffen als Frauen.

  • "Schwere" Arbeit versus "leichte": Es werden Arbeiten wie das Heben schwerer Lasten, die meisten Männer machen, als schwerer eingestuft, als das oftmalige Heben geringer Lasten (an Fließbändern oder bei Kassierinnen zum Beispiel), Tätigkeiten, die meist von Frauen verrichtet werden. Für den Körper ist beides belastend. Wenn den ganzen Tag stundenlang immer wieder zwei Kilo angehoben werden, schlägt sich das auch auf den Körper nieder.

    Best practise

    Die heute präsentierte Broschüre bietet neben den Ergebnissen "best practise" Beispiele, wie das Prinzip von Gender Mainstreaming in den Kollektivverträgen umgesetzt werden kann. In Schweden haben die Gewerkschaften fast zehn Jahre lang Tarifpolitik mit dem erklärten Ziel, die Frauenarbeit aufzuwerten, gemacht mittels sogenannter "Zwei-Töpfe-Politik": Die jährlich vereinbarten Lohnerhöhungen wurden in zwei Teile geteilt: Der eine Teil der Gesamtsumme kam allen, Männern und Frauen, zugute. Der andere Teil wurde zur direkten Verbesserung der Einkommen der Frauen verwendet. (red)

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