Krankheit vor dem Infarkt

25. Februar 2003, 13:07
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Der Weg zur "Herzattacke" beginnt schon in der Jugend - Ernährung von Mutter und Kind von Relevanz

Saalfelden - 56 Prozent der Österreicher sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch davor gibt es eine Jahrzehnte lange Entwicklung in Richtung Krankheit: Die Gefäßverkalkung (Atherosklerose). "Die Atherosklerose ist eine sehr alte Erkrankung. Von ihr ist bereits im Alten Ägypten berichtet worden. Man weiß das auch von Mumien, bei denen man sie festgestellt hat", erklärte Montag Abend bei der 36. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden der Wiener Atheroskleroseforscher Univ.-Prof. Dr. Helmut Sinzinger.

Die Entwicklung in Richtung Atherosklerose kann schon im Mutterleib beginnen. Sinzinger: "Wenn Mütter extrem übergewichtig sind oder Fettstoffwechselstörungen ("Cholesterinämie") haben, kann man in den Gefäßen der Neugeborenen schon 'Fettstreifen' sehen. Diese können sich aber wieder zurückbilden."

Fettstreifen

Doch bereits im Kindesalter können bei anhaltend erhöhten Blutfettwerten Fetteinlagerungen in die Gefäßwände von Arterien auftreten. Früher nahm man an, dass im Laufe der Zeit die betroffenen Arterien durch diese Plaques immer stärker eingeengt werden, bis es zum Verschluss kommt. Doch das ist offenbar falsch.

Sinzinger: "Es hängt davon ab, ob es in dem Blutgefäß zu einer Ruptur (Aufbrechen, Anm.) solcher fetthaltiger Plaques kommt oder nicht. Die Cholesterin-senkenden Statin-Medikamente können unabhängig von der Blutfett-Verringerung solche Plaques stabilisieren." Selbst völlig unauffällige Arterien sind oft von derart gefährlichen Entwicklungen betroffen, die im Endeffekt zum Infarkt führen, zum Schlaganfall oder zum Verschluss einer Beinarterie mit Amputationsgefahr.

Sinzinger: "Die Atherosklerose ist ein schubförmiger Prozess." Binnen kurzer Zeit können - nach einer langen Vorlaufphase - Ereignisse eintreten, die akute Lebensgefahr auslösen.

Entzündungen

Doch es gibt noch andere Mechanismen, die bei der Atheroklerose eine Rolle spielen: Chronische Entzündungen in der Gefäßwand von Arterien und die Oxidation von Cholesterinen.

Der Wiener Experte Univ.Prof. Dr. Helmut Sinzinger: "Auch ein 'gutes' schützendes HDL-Cholesterin ist wertlos, wenn Sie geraucht haben, weil dadurch das HDL durch Oxidation modifiziert wird." Ähnliches gelte für das "böse" LDL-Cholesterin. Oxidiertes LDL-Cholesterin wird viel schneller von der Wand von Arterien aufgenommen und dort in Form der gefährlichen Beläge gelagert.

Die Veränderungen korrelieren sehr eng mit Cholesterinwert. Hinzu kommt die Art der Cholesterinpartikel, die sich im Blut finden. Sinzinger: "Individuen mit einem Cholesterin von 300 Milligramm pro Deziliter Blut (empfohlen: weniger als 200 Milligramm, Anm.) sind nur drei Prozent der Bevölkerung.

Bewegen, Abnehmen, Nichtrauchen

Statistisch relevant sind aber zumeist nur gering erhöhte Cholesterinwerte." - Patienten mit solchen Werten machen den größten Teil der Infarktpatienten aus. Bei ihnen käme es daher speziell darauf an, eine Gefahr zu erkennen und per Nichtrauchen, Bewegung, Abbau von Übergewicht sowie eventuell eine medikamentöse Cholesterinsenkung den langfristigen Prozess der Atherosklerose zu bremsen.

Asiatisch leben

Empfohlen ist für Erwachsene ein Cholesterinpegel von weniger als 200 Milligrammm pro Deziliter Blut. Sinzinger: "Neugeborene haben einen Cholesterinwert von 100 MIlligramm. Bei ihrem Tod haben Asiaten einen Cholesterinwert von 120 Milligramm, wir einen von 220 Milligramm pro Deziliter Blut." Das ist das Geheimnis, warum in weiten Teilen Asiens unter traditioneller fettarmer Ernährung kaum Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert werden.

Die Auswahl bestimmter Fette für die Ernährung ist hingegen in den westlichen Industriestaaten zweitrangig. Der Atherosklerose-Forscher: "Wenn Sie mich fragen, welches Fett man empfehlen sollte, sage ich: 'Am besten keines'. - Weil wir sowieso viel zu viel Fett zu uns nehmen." (APA)

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