Hilfe gegen Atherosklerose

25. Februar 2003, 12:44
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Wie man die Gefäßverkalkung in Herz, Gehirn und Beinen mindern oder verhindern kann

Saalfelden - "Die Atherothrombose ("Herzinfarkt, Schlaganfall & Co") ist die häufigste Todesursache weltweit. Sie ist keine Erkrankung, die ausschließlich ein bestimmtes Gefäßsystem betrifft. Es besteht eine hohe Koinzidenz zwischen Herz, Gehirn und den Beinen", erklärte am Montag bei der 36. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 28. Februar) der Grazer Experte Univ.-Prof. Dr. Ernst Pilger.

Die Gefäßverkalkung ist immer eine Krankheit, die den gesamten Körper ergreift. Neunzig Prozent der Patienten mit einer solchen Atherosklerose samt Gefäßverschlüssen in den Beinen (PAVK - periphere Verschlusskrankheit) haben auch in den Herzkranzgefäßen krankhafte Veränderungen. Achtzig Prozent weisen solche Schäden in den Halsschlagadern und im Gehirn (Schlaganfallrisiko) auf.

Cholesterinwerte kontrollieren

Enorm wichtig ist die Kontrolle der Cholesterinwerte. In der internationalen Heart Protection Study wurden rund 20.000 Patienten fünf Jahre lang mit täglich vierzig Milligramm eines Statins oder einem Placebo (Scheinmedikament) behandelt. In der Gruppe, die wirklich therapiert wurde, gab es um rund ein Viertel weniger Herz-Kreislauf-Akuterkrankungen.

Entscheidend sind die Werte an "bösem" LDL-Cholesterin. Pilger: "Für die Primärprävention (Vorbeugung ohne bereits bestehende Krankheit, Anm.) wird ein Wert von weniger als 130 Milligramm pro Deziliter Blut gefordert. In der Sekundärprophylaxe (bei bestätigter Herz-Kreislauf-Erkrankung) sind das weniger als 100 Milligramm pro Deziliter Blut."

Blutdruck kontrollieren

Oft unterschätzt wird die Bedeutung des Blutdrucks für die Gefäßverkalkung. Personen ohne zusätzliche Risikofaktoren sollten im Alter bis zu 65 Jahren weniger als 130/85 mmHg Blutdruck (systolisch/diastolisch) aufweisen. Menschen über 65 "dürfen" einen Blutdruckwert von bis zu 140/90 mm haben.

Mittlerweile ziemlich unumstritten ist, dass geringfügiger Alkoholkonsum die Gefäßverkalkung bremst. "Wer täglich ein Achtel Wein trinkt, hat einen signifikanten Vorteil. Wenn er allerdings mehr Alkohol trinkt, überwiegen die negativen Auswirkungen.

Ein gutes Achterl

Das berühmte "Achterl", welches das Leben verlängert, ist erst vergangenes Jahr wissenschaftlich bewiesen worden. Frauen sind im Vorteil. Bei ihnen sinkt das Herz-Kreislauf-Risiko durch den Alkoholkonsum um 35 Prozent, bei den Männern nur um 18 Prozent", erklärte Pilger.

Besonders durch die Atherosklerose gefährdet sind Diabetiker. Achtzig Prozent von ihnen erliegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 75 Prozent davon einem Herzinfarkt, 25 Prozent einem Schlaganfall. Die Gegenstrategie: Der Nüchternblutzucker muss unter 110 Milligramm/Prozent gebracht werden. Der Wert für die langfristige Beladung von roten Blutkörperchen (HbA1c-Wert) mit Zucker darf nicht über 6,5 betragen. Nach dem Essen darf der Blutzuckerwert nicht über 135 Milligramm/Prozent steigen.

Blutgerinnsel verhindern

Bei von der Atherosklerose stärker Gefährdeten - wenn ein Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall von mehr als zwei Prozent innerhalb eines Jahres besteht - sollten die Betroffenen mit Medikamenten zur Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkranzgefäßen oder in anderen Arterien behandelt werden: niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (50 oder 100 Milligramm pro Tag) bzw. eventuell der neue Wirkstoff Clopidogrel.

Das senkt auch bei schon Kranken die Rate von akuten Herz-Kreislauf-Ereignissen um mehr als zwanzig Prozent. Zusätzlich Clopidogrel bringt noch einmal eine Verringerung der Gefährdung um an die zwanzig Prozent und mehr. Der absolut erzielbar zusätzliche Effekt ist aber bereits relativ gering.

Thrombosen verhindern

In Zukunft werden der Medizin zum Teil völlig neue Arzneimittel gegen die Atherosklerose zur Verfügung stehen. Der Wirkstoff Ximelagatran soll Thrombosen verhindern, ohne dass man regelmäßig die Blutgerinnungswerte kontrollieren muss. Der Heparin-Abkömmling Ipraparinox muss für diese Verwendung nur einmal wöchentlich injiziert werden (ebenfalls ohne Kontrolle der Blutgerinnung zur Vermeidung einer Blutungsgefahr).

Cholesterinproduktion verhindern

Bei den Cholesterinsenkern (Statine) kommt Rosuvastatin, das angeblich besser auf die Atherosklerose wirken soll als die herkömmlichen Statine. Als Kombination mit solchen Medikamenten könnte in Zukunft die Substanz Ezetimib verwendet werden.

Die Statine behindern die Cholesterinproduktion des Körpers. Ezetimib hingegen blockiert die Wiederaufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Durch die Kombination beider Prinzipien ließen sich jene "gesunden" Cholesterinwerte im Blut erreichen, welche die Bevölkerung in vielen asiatischen Staaten aufweist: Am Ende des Lebens 120 Milligramm pro Deziliter Blut statt im Westen 220 Milligramm pro Deziliter Blut und mehr. (APA)

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