ORF zahlt für "immer mehr Musik immer weniger Geld"

25. Februar 2003, 15:51
posten

Zahlungen für Musikrechte im ORF-Radio sollen zurückgegangen sein

Die Reduzierung der Zahlungen des ORF für Musikrechte bei gleichzeitiger Ausweitung der Musik-Sendeminuten im ORF-Radio beklagten Dienstag Vertreter der heimischen Musikschaffenden bei einer Pressekonferenz. Während sich im ORF die Anzahl der Sendeminuten von 1990 bis 2001 von 1,5 Millionen auf 3,5 Millionen mehr als verdoppelt habe, würde der ORF im Jahr 2001 mit 22,4 Millionen Euro (inflationsbereinigt) um 300.000 Euro weniger an Musikrechten zahlen als 1990. Folgerung: "Für immer mehr Musik zahlt der ORF immer weniger Geld."

"Preisverfall"

Die Ausweitung der Sendeminuten Musik in den ORF-Hörfunkprogrammen führe zu einem "Preisverfall" bei Musikrechten, monierten Musiker Peter Paul Skrepek, Gewerkschafter und Präsident der Musikergilde, sowie Komponist Paul Hertel, Kuratoriumsmitglied des Österreichischen Musikrates: Nach ihren Angaben zahlte der ORF 1990 für eine Minute Musik noch 10,8 Euro, im Jahr 2001 nur mehr sechs Euro.

Vor allem heimische Musiker sind betroffen

Der Rückgang der Zahlungen treffe vor allem heimische Musiker, kritisierte Skrepek: "Auf das Gesamtbudget des ORF bezogen, betrugen die Zahlungen für Musikrechte im Jahr 2001 bescheidene 6,5 Prozent der Werbeeinnahmen des ORF. Österreichische Urheber sind von den Einkommenseinbußen besonders stark betroffen. Denn der Programmanteil des internationalen Repertoires verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren - analog zum Rückgang des österreichischen Anteils - einen Anstieg um zehn Prozentpunkte, was den Verlust teilweise kompensierte. In Österreich lebende Komponisten, Autoren und Musikverleger mussten die Rechnung zahlen." Laut AKM-Sendezeitstatistik habe der Anteil der Musik österreichischer Komponisten im ORF-Radio 2001 nur noch 17,7 Prozent betragen.

Der ORF hat die Vorwürfe von Musikschaffenden zurückgewiesen, wonach die Zahlungen für Musikrechte reduziert, die Musik-Sendeminuten aber ausgeweitet würden. Hier werde versucht, "zu unterstellen, dass die Zahlungen des ORF an die AKM seit 1990 zurückgegangen sind. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig. Sie sind selbstverständlich gestiegen - und zwar um rund 25 Prozent", hieß es in einer Aussendung. Basis der Zahlungen sei ein Vertrag mit der Verwertungsgesellschaft AKM.

Dieser orientiere sich aber nicht an der tatsächlichen Nutzung (also etwa, wie oft oder lange ein Musikstück gespielt wird), sondern an den Einnahmen des ORF. Die Beurteilung nach Leistung pro gesendeter Minute Musik sei daher "verwirrend", hielt der ORF fest. Paul Hertel und Peter Paul Skrepek, die als Vertreter der Musikschaffenden den ORF kritisiert hatten, seien AKM-Vorstandsmitglieder und wüssten "sehr wohl, dass ORF und AKM derzeit in Verhandlungen über eine neue Entgeltregelung stehen. Beide Herren haben bereits an Gesprächsrunden mit dem ORF teilgenommen." Es sei daher befremdlich, dass trotz laufender Verhandlungen "offenbar der Eindruck erweckt werden soll, der ORF würde einseitig Leistungen zu Lasten der Autoren, Musikverleger und Komponisten kürzen".(APA)

Share if you care.