Abflug in den siebten Himmel

25. Februar 2003, 11:42
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Bei Turbulenzen in der Partnerschaft kann eines helfen: mit "Love Air" zu einem romantischen Ausflug in schwindelnde Höhen abheben

Die kanadische Fluggesellschaft entführt Paare zu einem romantischen Ausflug in schwindelnde Höhen, ganz privat und in intimer Atmosphäre.

Schwindelfreiheit kann nicht garantiert werden. Denn oben angekommen, können Sie und Er sich abschnallen, den Vorhang zum Cockpit zuziehen und tun, wonach ihnen gelüstet. Wieder auf der Erde, gehören die Passagiere zum exklusiven "Mile High Club", dem Club der Menschen, die über rosa Wölkchen geschwebt sind.

"Sie und ihr Partner können ein romantisches, sicheres, amüsantes und unvergessliches Abenteuer erleben, in einer kleinen, diskreten und privaten Ecke, während sie über die majestätischen Felsen der Pazifikküste gleiten", surrt eine weiche Frauenstimme auf dem Anrufbeantworter von "Love Air". Trotz der offiziellen Winterpause steht das Telefon in der Zentrale in Whistler, im westkanadischen Bundesstaat British-Columbia, nicht still.

Seit dem ersten Flug im August steigt die Nachfrage nach der etwas anderen Paartherapie stetig an. In Kürze soll die Liebes-Flotte von einer auf zwei Cessna-Maschinen verdoppelt werden.

Bereits 75 Paare zählt der Club von Love Air. Auch Pilot und Initiator Colin Morse gehört "natürlich" dazu, wie er stolz berichtet. Die Idee kam Morse zusammen mit seinem Kollegen Dan O'Brien, "damit wir abends im Beisl was zu erzählen haben". So wurde der Scherz zunächst für eine Saison in die Tat umgesetzt, und was zunächst als Erzählstoff gedacht war, entpuppte sich als Marktlücke.

Die prickelnde Erfahrung ist den Paaren offenbar ihr Geld wert: 250 kanadische Dollar (156 Euro) kostet ein kurzer "Quickie"-Flug, 350 Dollar (218 Euro) müssen für einen Flug der Kategorie "Big One" hingelegt werden. Auch Dreiergruppen sind willkommen.

Im Flugzeug können sich die Passagiere wohlfühlen: Rote Bettwäsche und ein kuscheliges Ambiente erwartet die Liebeshungrigen im hinteren Teil der Cessna. Vor zu wenig Privatsphäre braucht sich keiner zu fürchten: Ein Camping-Zelt schützt vor möglichen Blicken indiskreter Besatzungsmitglieder.

Allerdings kann die gute Aussicht auch so beflügeln, dass Paare jegliche Hemmung verlieren, wissen Morse und O'Brien aus Erfahrung: Bei den Touristenflügen zu den Pazifik-Klippen, die sie sonst unternehmen, kommt es schon mal vor, dass sich zwei Verliebte in einer Ecke die Kleider vom Leib reißen und alles um sich herum vergessen, erzählen sie.

Wegen der hohen Ablenkungsgefahr sei ein Vorhang zum Cockpit sinnvoll, sagt Morse. Denn der Liebesflug erfordere besondere Konzentration. Wegen der starken Bewegung hinten im Flugzeug müsse ständig gegengesteuert werden. "Eine neue Art von Turbulenzen", nennt Morse das. Neben der Erinnerung nehmen die Turteltauben ein Zertifikat von der Reise mit - und die rote Bettwäsche.(APA)

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    montage: reuter/derstandard.at
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