Polanskis Probleme mit der Vergangenheit

25. Februar 2003, 10:42
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Schwelende Anklage wegen Kindesmissbrauchs überschattet Oscarverleihung

Los Angeles - Trotz einer schwelenden Anklage wegen Kindesmissbrauchs sollte Regisseur Roman Polanski nach Ansicht des früheren Opfers die Einreise in die USA zur Oscarverleihung ermöglicht werden. Diesen Wunsch äußerte jene Amerikanerin, die 1977 im Alter von 13 Jahren von dem Filmemacher sexuell missbraucht worden sein soll. "Ich glaube, dass Mr. Polanski und sein Film nach qualitativen Gesichtspunkten seiner Arbeit gewürdigt werden soll", schrieb Samantha Geimer in der Sonntagsausgabe der "Los Angeles Times".

Sein künstlerisches Werk habe nichts mit der Tat von damals zu tun, führte die 39-Jährige aus. Für das Holocaustdrama "Der Pianist" könnte Polanski am 23. März einen Oscar als bester Regisseur gewinnen. Der Film erhielt insgesamt sieben Nominierungen.

Anklage

Im März 1977 hatte der Regisseur von der damals 13-jährigen Aufnahmen für eine Modezeitschrift gemacht. Laut Anklageschrift gab er dem Mädchen anschließend Alkohol und Betäubungsmittel und vergewaltigte sie. Nach Polanskis Darstellung stimmte das Mädchen der sexuellen Beziehung zu. Geimers Angaben zufolge hatten sich Polanskis und ihre Anwälte damals auf ein Schuldeingeständnis des Regisseurs geeinigt. Im Gegenzug sollte er nur eine geringe Gefängnisstrafe erhalten. Der zuständige Richter lehnte diese Absprache aber ab. Daraufhin flüchtete Polanski aus Kalifornien nach Frankreich, um einer möglichen Haft von bis zu 50 Jahren zu entgehen. Seither ist er nicht mehr in die Vereinigten Staaten eingereist.

Nach der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen hatte Polanskis langjähriger Freund und Agent Jeff Berg in Los Angeles erklärt, dass Polanski nun seit 25 Jahren in Paris lebe und kein Versuch unternommen werde, ihn zurück zu bringen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Fall nicht verjährt. Ein Richter müsste über eine mögliche Gefängnisstrafe entscheiden, sagte Sprecherin Sandi Gibbons. Bei der Vergabe der Bafta-Filmpreise in London am vergangenen Wochenende wurde Polanski für die beste Regiearbeit ausgezeichnet. Er kam jedoch nicht selbst nach London, da Großbritannien einen Auslieferungsvertrag mit den USA hat.

3 Oskarnominierung

Am Samstag in Paris war "Der Pianist" - eine französisch-deutsch- polnisch-britische Koproduktion - bereits der große Sieger bei der Vergabe der französischen Filmpreise mit insgesamt sieben César- Auszeichnungen. Polanski ist nun zum dritten Mal für einen Oscar nominiert. Für die Filme "Tess" (1979) und "Chinatown" (1974) wurde er in der Sparte "Regie" aufgestellt. 1968 holte er sich durch das Drehbuch für den Horrorfilm "Rosemary's Baby" seine erste Nominierung. (APA)

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