Waffenlager in Oberösterreich ausgehoben

25. Februar 2003, 11:33
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"Sammler" horteten hunderte Gewehre und 50 Maschinenpistolen - Zwei Verhaftungen

Ein riesiges Waffenlager ist jetzt von den Sicherheitsbehörden in Oberösterreich ausgehoben worden. Zentrum der Affäre war das oberösterreichische Salzkammergut, vor allem im Großraum Ebensee und Bad Ischl sind viele der "Sammler" daheim, bei denen im Zuge von Hausdurchsuchungen die illegalen Schießeisen sichergestellt wurden. Aber auch in einer Welser Wohnung fanden die Ermittler Waffen und große Mengen Munition. Zwei Männer wurden in diesem Zusammenhang verhaftet.

Immer wieder Hinweise

Schon seit November des vergangenen Jahres tauchten im Salzkammergut immer wieder Hinweise auf, dass viele illegale Waffen auf dem Schwarzmarkt seien. Anfang Februar 2003 erfolgte dann eine erste Welle von gezielten Hausdurchsuchungen. Dabei wurden u.a. bei 15 "Sammlern" 100 illegale Gewehre sowie zehn Maschinenpistolen, ein Maschinengewehr und zehn Kilogramm Nitropulver sowie 25.000 Stück Munition sichergestellt.

Bei dem Maschinengewehr "MG 42" samt Munitionsgurten habe es sich um eine Waffe gehandelt, "die auf aktuellen Kriegsschauplätzen derzeit in vorderster Front in Verwendung ist", so die Experten des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. "Es gehörte in diesen Kreisen offensichtlich zum guten Anstand, eine Waffe zu haben", sagte der neue oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wels.

Zwei konzessionierten Waffenhändlern als "Importeure"

Für die Ermittler war aber klar, dass mit diesen ersten Aufgriffen nur die berühmte Spitze des Eisbergs gegeben war. Vor allem mussten die "Organisatoren" der illegalen Geschäfte ausgeforscht werden. In der Folge legten die Sammler erste Geständnisse ab. Dadurch kamen die Fahnder auf die Spur von zwei konzessionierten Waffenhändlern, die als "Importeure" tätig gewesen sein dürften.

Sie sollen die Waffen in Osteuropa erworben und dann nach Österreich gebracht haben. Hier setzten die Händler sie aber nicht legal sondern auf dem Schwarzmarkt ab. Außerdem sollen die Händler so genannte "Dekorationswaffen" - die nicht gebrauchsfähig sind - "umgebaut" und damit funktionstüchtig gemacht haben. Den Waffenhändlern wurde inzwischen die Konzession entzogen.

"Gebrauchsfertige" Waffen

Im Zuge der Ermittlungen wurde am 19. Februar ein 55-jähriger Pensionist verhaftet. Er hatte aber sein Haus bereits "geräumt" und sein Waffenlager zu einem Bekannten nach Wels "verlegt". In dieser Wohnung stießen die Beamten dann auf zahlreiche weitere Waffen - darunter 25 Maschinenpistolen und drei Sturmgewehre - sowie auf ein Munitionslager. Dazu Lißl: "Die Speisekammer war gänzlich ausgeräumt, es gab dort keine Lebensmittel, die Kammer war bis oben hin angefüllt mit Munitionskisten".

Insgesamt stellten die Behörden bei den Sammlern 450 nicht genehmigte Gewehre, 50 Maschinenpistolen, zwei Maschinengewehre, 40 Faustfeuerwaffen, zehn Kilogramm Sprengstoff und 50.000 Schuss Munition sicher. Sämtliche Waffen waren in bestem Zustand und "gebrauchsfertig". Die Sammler dürften auch immer wieder Schießübungen veranstaltet haben.

"Sammlertrieb"

Keinen Hinweis gibt es laut OÖ. Sicherheitsdirektion, dass die Affäre einen kriminellen, politischen oder rechtsextremen Hintergrund hat. Motiv seien nur der "Sammeltrieb" und die "Leidenschaft gewesen, eine Waffe, am besten eine Maschinenpistole, zu besitzen", wurde bei der Pressekonferenz erläutert. (APA)

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