HVB streicht weitere 1.000 Stellen

25. Februar 2003, 16:08
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Vorstand einigt sich mit Betriebsrat auf Einschnitte - Rampl will bis Ende 2003 "schwarze Null" erreichen

Frankfurt - Nach dem ersten Jahresverlust ihrer Geschichte verschärft die bayerische HypoVereinsbank (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), ihren Sparkurs. Wie es am Dienstag aus Mitarbeiterkreisen hieß, werden nochmals rund tausend Arbeitsplätze bei Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut gestrichen. Der Stellenabbau sei Teil eines Kostensenkungsprogramms, mit dem die Bank noch in diesem Jahr die Ausgaben für Personal um 250 Mio. Euro senken will. Daneben sollen weitere 250 Mio. Euro bei den Sachkosten gespart werden.

"Schwarze Null" 2003

Bisher hatte die HVB - im Konzern sind derzeit rund 66.000 Menschen beschäftigt - den Wegfall von 9.100 Stellen bis Jahresende 2004 angekündigt. Konzern-Chef Dieter Rampl sagte der "Süddeutschen Zeitung", zwei Drittel des Arbeitsplatzabbaus seien bereits vollzogen. Das letzte Drittel werde bis zum Jahresende erfolgen. Rampl bekräftigte sein Ziel, bis Ende 2003 "die schwarze Null" zu erreichen. Diese Kalkulation beruhe auf einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von einem Prozent. Zudem solle die Risikovorsorge heuer auf 3 Mrd. Euro zurückgehen. Weitere Filialschließungen solle es nicht geben. Die jetzt noch 800 Geschäftsstellen bezeichnete Rampl als "angemessen".

Einigung

Nach einem internen Papier für eine Betriebsversammlung der Bank, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, haben sich Geschäftsleitung und Betriebsrat am 20. Februar auf weitere Einschnitte geeinigt. Der zusätzliche Arbeitsplatzabbau soll demnach vor allem über Fluktuation und Vorruhestand sowie Teilzeit und Sabbat-Zeiten vollzogen werden. Bis Ende Mai sollen die betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Hierdurch sollen 90 der 250 Mio. Euro bei den Personalkosten eingespart werden.

Bonus-Zahlungen ausgesetzt

Sonst übliche Bonus-Zahlungen an die Beschäftigten werden zudem für das laufende Jahr ausgesetzt. "Der den Erfolg der Bank widerspiegelnde Faktor wurde deshalb für 2003 auf Null festgelegt", heißt es in dem Papier. Sollte das Geschäftsjahr planmäßig verlaufen, sei aber "ein gewisses Bonus-Budget" möglich. Gleichzeitig einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das Resturlaub nicht vom Jahr 2003 auf das Jahr 2004 übertragen werden kann. Dadurch spare die Bank "einen fast zweistelligen Millionen-Betrag an Rückstellungen".

Aktie gibt nach

Der Kurs der HVB-Aktie gab am Dienstagnachmittag um 2,66 Prozent auf 9,87 Euro nach. Der Deutsche Aktienindex (DAX) verlor zur gleichen Zeit knapp 3,5 Prozent auf 2.482 Punkte. (APA/AFP/Reuters)

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