Aids-Impfstoff enttäuscht

24. Februar 2003, 20:18
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Studie zeigt: Probanden nicht besser geschützt als die Kontrollgruppe

New York/Genf - Die erste große klinische Studie mit einem Aids-Impfstoff hat nach Angaben der Herstellerfirma VaxGen im kalifornischen Brisbane ein enttäuschendes Ergebnis gebracht. Der Impfstoff verfehlte das Ziel, die 5.400 Teilnehmer erkennbar vor einer Infektion mit dem Aidsvirus (HIV) zu schützen. Lediglich unter Afroamerikanern und Asiaten sei möglicherweise ein gewisser Erfolg sichtbar gewesen, hieß es. Insgesamt aber waren geimpfte Probanden ersten Analysen zufolge nicht besser geschützt als Kontrollpersonen, die ein Scheinmedikament erhielten, wie VaxGen berichtete.

Der führende Impfstoff-Experte beim Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) in Genf, José Esparza, räumte in der "New York Times" ein, dass der Impfstoff "nicht das letztlich gesuchte Produkt" für alle Menschen sei. Dennoch nannte er das Ergebnis ermutigend, da es eine neue Fährte aufzeige. Die Autoren der Untersuchung verwiesen darauf, dass nur wenige Afroamerikaner und Asiaten in die Studie eingeschlossen waren und sich der mögliche Erfolg bei ihnen deshalb nicht zahlenmäßig niederschlug. Der Versuch bringe aber den klaren Beweis, dass ein Impfstoff funktionieren könne, erklärte UNAIDS-Chef Peter Piot.

Wirkstoff

Der als Aidsvax bekannte Impfstoff besteht hauptsächlich aus dem Protein "gp120". Es sitzt auf der Oberfläche der Aidsviren und hilft ihnen, an die menschlichen Immunzellen anzudocken. VaxGen gewinnt das "gp120"-Protein aus gentechnisch veränderten Eierstock-Zellen von Hamstern. Da der Impfstoff nicht das komplette Virus, sondern nur einen seiner Eiweißstoffe enthält, ist eine Infektion durch die Impfung ausgeschlossen.

Ziel der Versuche war es, das Immunsystem der geimpften Personen zur Produktion von Antikörpern anzuregen, die sie später beim Kontakt mit dem kompletten Aidserreger gegen eine Infektion schützen sollten. Die Studie schloss 5.400 HIV-freie Teilnehmer in 59 Zentren von Nord- und Mittelamerika sowie Europa ein. Etwa 5.100 waren Homosexuelle, die regelmäßig Kontakt mit anderen Männern hatten. Die 300 Frauen in der Studie galten wegen ihrer sexuellen Beziehungen ebenfalls als besonders gefährdet.

Vergleichszahlen

Zwei Drittel der Teilnehmer wurden im Verlauf von drei Jahren insgesamt sieben Mal mit dem Vakzin geimpft. Das übrige Drittel erhielt ebenso oft Injektionen mit einem wirkungslosen Scheinmedikament (Placebo). Im Verlauf der Studie infizierten sich 5,7 Prozent der geimpften Teilnehmer mit dem Aidsvirus. Der Anteil der Infektionen in der Placebo-Gruppe lag mit 5,8 Prozent nur unwesentlich höher.

Das insgesamt enttäuschende Ergebnis der Studie schließt nach Einschätzung von Aidsexperten aus, dass der getestete Impfstoff ohne zusätzliche Untersuchungen zugelassen wird. Das Resultat kommt laut der "New York Times" nicht überraschend. Die Mehrzahl der Aidsforscher hatte dem Impfstoff demnach nur geringe Chancen eingeräumt, den seit Jahren erhofften Durchbruch zu bringen. Der Hauptgrund ist, dass das VaxGen-Vakzin bestenfalls nur vor zwei Stämmen des HIV-Typs B schützen kann. Das ist der in Europa und Nordamerika vorherrschende Typ des Aidserregers. Viele Experten glauben sogar, dass der Impfstoff wegen der Wandlungsfähigkeit des Erregers selbst dieses Ziel auf Dauer nicht erreichen dürfte.(APA/dpa)

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