Wenig Licht im Dunkeln

24. Februar 2003, 19:10
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Der Streit um die Scharzarbeitszahlen könnte eine Posse von Karl Valentin sein - Von Helmut Spudich

Der kleine Streit darum, wer die besseren Zahlen zum Phänomen Schwarzarbeit liefert (der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider versus Statistik Austria und OECD), könnte eine Posse von Karl Valentin sein, denn naturgemäß blüht die Schwarzarbeit nur im Dunkeln, wo sie so oder so nur schwer zu erfassen ist.

Der Drang zur Bezifferung hat, nebst dem weit verbreiteten Wunsch nach scheinbarer Sicherheit, wo es nur Unsicherheit gibt, eine Reihe von Ursachen. Der Fiskus möchte gerne wissen, wie viel Geld ihm entgeht - allerdings wäre ihm mit den Adressen und Einkommen konkreter Schwarzarbeiter mehr gedient als mit volkswirtschaftlichen Schätzungen. Die Regierungen wollen, seit das Maastricht-Regime bei Staatsschulden herrscht, mit dem "Nachweis" von Schwarzarbeit ihre Bruttoinlandsprodukte ein bisserl aufblasen, weil das die Schulden relativiert.

"Professionelle" Schwarzarbeit oder kleiner Pfusch?

Dabei interessiert an der Schwarzarbeit eigentlich vor allem der konkrete Sachverhalt. Ist es "professionelle" Schwarzarbeit, mit der Unternehmen ihre Arbeitnehmer ebenso wie brave Steuerzahler prellen? Oder ist es der kleine Pfusch in der Freizeit, quasi Linderung einer hohen Steuerquote? Oder ist es Schwarzarbeit, die daraus entsteht, weil selbst beim besten Willen die ausländische Putzfrau nicht zu legalisieren wäre?

Gegen manche dieser Ursachen muss man ankämpfen, vor allem dort, wo sie gewerbsmäßiger Betrug sind, massive Steuerhinterziehung, oder wo unnötige Bürokratie die Kosten so in die Höhe treiben, dass die Mehrheit der Anbieter und Abnehmer in den Pfusch ausweicht. Manches wird der Staat im Interesse des sozialen Friedens einfach hinnehmen müssen, wobei dies schwer offiziell vertretbar ist. Globalzahlen hingegen taugen bestenfalls für TV-Diskussionen als Unterhaltungswert. (DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2003)

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