Lernen vom Privat-TV

25. Februar 2003, 19:33
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25.2.2003 - "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" führt vor, wie Wissen fürs Leben faktengetreu und sensibel vermittelt werden kann

Deutschlands Privatsender stehen ja nicht wirklich im Verdacht, seriöses Fernsehen zu bieten. Die Verdienste von RTL etwa lassen sich grob mit drei B's - Busen, "Big Brother" und bisexuelles Nachwuchstalent - umschreiben. Umso erstaunlicher, dass sich seit einigen Wochen Abend für Abend zur besten Sendezeit eine Art Bildungsfernsehen etabliert hat. Ausgerechnet die - seit jeher zu Unrecht verschriene Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" führt vor, wie Wissen fürs Leben faktengetreu, sensibel und sogar weitgehend unpeinlich vermittelt werden kann. Eine Leistung, die etwa "Lindenstraße" nie ohne Holzhammer erbracht hat.

Die kleine Antonia nämlich ist an Leukämie erkrankt und benötigt dringend einen Knochenmarkspender. Ihre Eltern kommen dafür nicht infrage, die genetischen Merkmale stimmen nicht überein. Um das traurige Faktum wird nun ein facettenreiches Bild gestrickt. Fragen wie "Was ist Leukämie, wozu Transplantation, wer kann Knochenmark spenden und was genau passiert dabei?", werden ebenso abgehandelt, wie die höllischen Konsequenzen unter den Angehörigen, die vor lauter Angst und Zorn überhaupt nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Das Kind bleibt dabei weitgehend unsichtbar, die Krankheit wird aus der Perspektive der erwachsenen Angehörigen geschildert.

An dieser für Unterhaltungsfernsehen unglaublich differenzierten Art der Auseinandersetzung kann sich so manches Vorzeigebeispiel heimischer TV-Kost eine Scheibe abschneiden. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 25.2.2003)

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