Grundig-Rettung "bewegt sich weiter"

24. Februar 2003, 18:33
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Einigung mit Banken in dieser Woche erwartet

Wien - "Alle bewegen sich in die richtige Richtung", heißt es in Bankenkreisen zu den jüngst bekannt gewordenen Troubles beim Verkauf des Wiener Grundig-TV-Geräte-Werkes an den österreichischen Industriellen Mirko Kovats.

Der Deal sei auf der Kippe gestanden, hieß es, da man sich noch nicht mit den Kreditinstituten - allen voran mit der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) - über die Höhe eines Schuldennachlasses geeinigt habe. Am Montag erfuhr der STANDARD aber, dass die Verhandlungen zwischen Kovats und der Bank bis Ende der Woche positiv erledigt sein sollten. Der Industrielle selbst war jedoch am Montag für den STANDARD nicht erreichbar.

Symbolischer Euro

Dem Vernehmen nach sei die BA-CA nicht gewillt, eine höhere Nachlassquote zu gewähren als die deutschen Institute, die beim Mutterkonzern helfend einspringen. Es geht um einen Nachlass in der Größenordnung zwischen 20 und 30 Prozent. Dies wäre ein nicht näher bezifferter zweistelliger Millionenbetrag. Kovats will das Werk in Wien-Meidling um einen symbolischen Euro erwerben.

Aus Deutschland steigt der Druck, die Übernahme durch Kovats abzuschließen - dies deswegen, weil der Verkauf des Wiener Werks wiederum eine Bedingung dafür ist, dass der taiwanesische Konzern Sampo den angeschlagenen Nürnberger Elektronikkonzern insgesamt erwirbt. Grundig-Deutschland-Sprecher Holm Kilbert sagte am Montag, er wolle die Äußerungen von Kovats nicht kommentieren; nur so viel: "Die Übernahme verläuft in geordneten Bahnen."

Minerva-Wiederbelebung

In Meidling soll die klassische österreichische Elektrogerätemarke Minerva wieder belebt werden. Dies gab Kovats Anfang des Jahres bekannt, nachdem er sich im Dezember prinzipiell mit Grundig über eine Übernahme geeinigt hatte. Der geschichtliche Hintergrund: 1968 wurde die in Meidling ansässige Radio-und Fernsehgerätefabrik Minerva Radio W. Wohlleber Co. von der deutschen Grundig übernommen.

Von derzeit 800 Mitarbeitern sollen 700 zu "Minerva neu" wechseln, 100 bei einer Grundig-Vertriebstochter verbleiben. Mittelfristig will Kovats den österreichischen Standort von Grundig-Aufträgen unabhängig machen.

Kovats ist unter anderem am Salzburger Werkzeugmaschinenhersteller Emco, an dem - erstmals seit sechs Jahren wieder positiv bilanzierenden - steirischen Motorenhersteller ATB Antriebstechnik sowie an der ehemaligen Babcock-Borsig-Tochterfirma Austrian Energy in Graz beteiligt. Abgeblitzt ist der Industrielle dagegen vor fast einem Jahr beim deutschen Continental-Konzern, der ihm das Semperit-Reifenwerk nicht verkaufen wollte. (szem, APA, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2003)

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