Vorwurf des Emissionsbetrug gegen Deutsche Telekom

24. Februar 2003, 17:53
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Börsensachverständiger: Kleinanleger über Risiko nicht genügend informiert

Nach einem Vorabbericht des ARD-Magazins "Report" Mainz hat das deutsche Finanzministerium beim dritten Börsengang der Deutschen Telekom (DT) bekannte Risiken für die Anleger verschwiegen. Der Sender beruft sich dabei auf Aussagen des ehemaligen Finanzvorstandes der DT, Joachim Kröske. Börsenexperte Wolfgang Gerke, ein Mitglied der Börsensachverständigenkommission, spricht in diesem Zusammenhang vom Verdacht auf Emissionsbetrug.

Warnung

Kröske, so das Magazin, soll den Vorstand und den Aufsichtsrat vor einem überteuerten Kauf des britischen Mobilfunkproviders One2One gewarnt haben. Die DT hatte das Unternehmen 1999, neun Monate vor dem Börsengang, für zehn Mrd. Euro übernommen. Nach Einschätzung von Kröske war der Mobilfunkanbieter allerdings nur die Hälfte wert. Über die unterschiedlichen Einschätzungen der Situation im Vorstand wurde auch der Aufsichtsrat und damit das deutsche Finanzministerium als Hauptaktionär der DT informiert. "Bei den Informationen, die der Bund offensichtlich damals indirekt oder direkt über Kröske bekommen hat, hätte er die dritte Emission der Deutschen Telekom so nicht durchführen dürfen", so Gerke. Die Kleinanleger wurden, so der Vorwurf weiter, nicht ausreichend über die Lage des Unternehmens aufgeklärt.

"Wir gehen noch immer davon aus, dass in dem Prospekt zum Börsengang alle wichtigen Daten für die Anleger enthalten waren"

Die DT bestreitet allerdings, dass die Anleger nicht genügend Informationen erhalten hätten, um die Risiken abzuschätzen. "Wir gehen noch immer davon aus, dass in dem Prospekt zum Börsengang alle wichtigen Daten für die Anleger enthalten waren", erklärte Andreas Leigres, einer der Pressesprecher der DT gegenüber pressetext.deutschland. Auch hatte der Vorstand immer eine einheitliche Vorlage gegenüber dem Aufsichtsrat vertreten, so Leigres. "Innerhalb dieser Vorlage wurden natürlich unterschiedliche Szenarien behandelt."

One2One ist nicht das einzige Unternehmen, dass die DT zu teuer gekauft haben soll. Ähnliche Vorwürfe betreffen auch die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream kurz nach dem Börsengang. In diesem Zusammenhang ist auch eine Klage wegen falscher Angaben im Börsenprospekt bei der Bonner Staatsanwaltschaft anhängig.(pte)

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