Mailands Galleria vor Privatisierung

24. Februar 2003, 17:46
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Die Nobeleinkaufsgalerie Vittorio Emanuele zwischen Dom und Scala soll privatisiert werden - Auch Börsengang geplant

Mailand - In der überdachten Mailänder Einkaufsgalerie hat die Crème de la crème ihre Geschäfte. Im historischen Shoppingtempel zwischen dem Dom und dem Opernhaus La Scala haben 52 internationale Superläden und über hundert Firmen ihren Standort. Dieses Juwel Mailänder Architektur und Gesellschaftslebens soll nun privatisiert werden.

Der für Urbanistik zuständige Stadtrat Giancarlo Pagliarini will nun eine Betreibergesellschaft "Madunina Real Estate" bilden, welche die Immobilien in der Galerie verwaltet. Die nach dem Wahrzeichen Mailands, der Madonna, benannte Betreibergesellschaft soll auch an die Börse gehen. In die Gesellschaft sollen die Immobilien rund um den Domplatz eingebracht werden. Das Immobilienvermögen wird auf über zwei Mrd. Euro bewertet.

Radikaler Sanierungskurs

Wie Pagliarini dem STANDARD erklärte, weisen die Immobilien eine zu geringe Rendite auf. So könnten die 36.000 Quadratmeter der "Galleria Vittorio Emanuele" bis zu 20 Mio. Euro Mieteinträge erbringen. Der Stadtrat hat bereits einen radikalen Sanierungskurs eingeschlagen. Zahlreiche Mieter, auch die österreichische Luxuswarenfirma Swarovski, haben die Verträge neu ausgehandelt. Andere Firmen, wie das Reisebüro CIT, waren nicht bereit, den vervielfachten Mietbetrag zu bezahlen bzw. der Stadtverwaltung die einmal fällige Gebühr für eine Mietdauer von 90 Jahren zu überweisen. Statt CIT zieht nun Louis Vuitton in die Galerie ein.

Auch das Nobelrestaurant Savini, Aushängeschild für die Mailänder Gastronomie mit Superpreisen, muss sich einschränken. Statt der bisher gemieteten drei Stockwerke reicht es in Zukunft nur mehr für das Restaurant im Erdgeschoß. Andere Firmen, wie etwa das Nobelrestaurant der Autogrill-Gruppe La Galleria oder aber Prada, haben ihre Mietverträge bereits nach oben korrigiert. Zur Diskussion steht noch die Zukunft von McDonald’s. Denn die Hamburgerbrater sind zwar gewillt, den Mietpreis zu erhöhen. Die erlesenen Nachbarn rümpfen aber die Nase und behaupten, dass der Hamburger-Duft die Kunden vertreibe.

Erste Interessenten

Auch wenn die Stadt Mailand weiter die Mehrheit der Galleria kontrollieren wird, so werden durch den Börsengang Mittel zur Restaurierung der Gebäude rund um den Dom freigesetzt, hofft Pagliarini. Erste Interessenten, die Anteile an der Madunina kaufen wollen, gäbe es bereits. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2003)

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Galleria Vittorio Emanuele
Greatbuildings.com

  • Die Galleria Vittorio Emanule, ein Juwel der Mailänder Architektur, steht vor der Privatisierung.

    Die Galleria Vittorio Emanule, ein Juwel der Mailänder Architektur, steht vor der Privatisierung.

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