Billigflieger geraten ins Trudeln

24. Februar 2003, 17:32
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BerlinJet ist Pleite gegangen - Buzz schränkt Deutschland-Flüge ein - Zukunft der Deutschen BA ungewiss

Berlin - Der vermeintliche Billigflug mit BerlinJet ist Rüdiger Brill teuer zu stehen gekommen: Der Flug von Berlin nach Mailand kostete nur einen Cent plus Steuern und Gebühren, für die gesamte Reise zahlten Brill und seine Frau insgesamt 120 Euro.

Aber auf den Rückflug warteten das Ehepaar und 60 weitere Passagiere in Mailand vergeblich. BerlinJet hat Ende vergangener Woche Pleite gemacht. Den Rückflug musste sich das Ehepaar am Wochenende selbst organisieren und allein für die Flugtickets zusätzlich 500 Euro bezahlen. Am Montag gründete der Berliner Finanzberater eine "Interessengemeinschaft BerlinJet", um die Ansprüche zu bündeln und das weitere Vorgehen zu koordinieren. Über 45.000 Kunden haben in den vergangenen Wochen nach Angaben der Fluglinie bei BerlinJet gebucht.

Strafanzeige

Der Zusammenbruch hatte sich in der Vorwoche schon abgezeichnet: Am vergangenen Dienstag musste der Paris-Flug abgesagt werden, weil der Flughafen Beauvais wegen ausstehender Depotzahlungen die Landung verweigerte. Am Mittwoch wurde dann mit mehr als dreistündiger Verspätung der Flugplatz Vatry östlich von Paris angesteuert. Geschädigte, die sich von der Airline betrogen fühlen, können bei jeder Polizeidienststelle Strafanzeige stellen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit.

Buzz streicht Deutschland-Flüge

Aber auch bei anderen Billigfliegern entwickelt sich das Geschäft nicht wie erhofft. Der neue Eigentümer der Billigfluglinie Buzz, die irische Ryanair, will Flüge in Düsseldorf, Frankfurt und Berlin-Schönefeld streichen. Flüge von Berlin-Schönefeld nach London werden derzeit noch ab 39 Euro angeboten.

Zukunft von DBA offen

Auch die weitere Zukunft der Deutschen BA (DBA), die sich zum Billigflieger gewandelt hat, steht in den Sternen. Die defizitäre Tochtergesellschaft der British Airways sollte vom britischen Billigflieger EasyJet übernommen werden. Easyjet betrachtet einen neuen Tarifvertrag als Voraussetzung für eine Übernahme der verlustreichen Fluglinie. Tarifverhandlungen für geringere Gehälter sind bisher aber gescheitert. Kommt es zu keiner Einigung, droht der Deutschen BA das Aus. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2003)

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    Passagiere in Paris warteten vergangene Woche auf Flüge der BerlinJet vergeblich. Wenige Tage später ging die Airline Pleite.

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