"Kapetan Dragan": "Das UNO-Tribunal schützt die Angeklagten"

24. Februar 2003, 14:39
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Anklage könnte alle Kriegsverbrechen in einem Monat beweisen

Belgrad - Dragan Vasiljkovic, besser bekannt als "Kapetan Dragan", ist der Überzeugung, dass das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag "die Kriegsverbrecher schützt". Die Anklage "weiß alles, weil das eine unglaubliche Maschinerie ist. Wenn sie wollten, könnten sie alle Kriegsverbrechen in einem Monat beweisen. Aber es ist nicht ihr Ziel, diese aufzudecken, sondern Menschen zu holen, die gegen Milosevic aussagen....", wurde Vasiljkovic heute, Montag, vom Belgrader Sender "B-92" zitiert.

Während der Zeugenaussage gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic in der vergangenen Woche habe er immer "zusätzliche Erklärungen" abgegeben. "Das hat das Gericht begriffen", sagte Vasiljkovic. Sehr wohl würde die Anklage aber auch jene Zeugen "belohnen", die zu ihren Gunsten aussagen würden. Zwischen den Erklärungen, die er der Anklage gegeben habe, und seinen tatsächlichen Zeugenaussagen im Prozess gegen Milosevic habe es jedenfalls kaum Unterschiede gegeben.(apa/dpa)

Dennoch scheint die Anklage mit ihm nicht ganz zufrieden gewesen zu sein. Als er nach seiner Aussage vom Ankläger Geoffrey Nice ein Ticket nach Belgrad verlangte, so berichtet Vasiljkovic, hätte ihm dieser gesagt: "Kapetan, von diesem Augenblick wünschen wir keinen Kontakt mit Ihnen". Im Prozess gegen den Milosevic habe er ausgesagt, um die "Ehre der Republika Srpska" und jener "Krieger, die dort ehrenhaft gekämpft haben", zu verteidigen, betonte er.

Vasiljkovic war während des Kroatien-Krieges (1991-1995) als "Kapetan Dragan" ("Kapetan" bezeichnet sowohl den militärischen Dienstgrad Hauptmann als auch einen Flugkapitän, Anm.) bekannt geworden. In der Krajina war er für die Bildung einer Spezialpolizei-Einheit zuständig. Zuvor war er jahrelang in Australien als Berufspilot tätig. Es wird angenommen, dass es sich um einen Mitarbeiter der ehemaligen jugoslawischen Geheimdienste handelt. Nach dem Krieg hatte sich Vasiljkovic aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen und sich humanitären Tätigkeiten gewidmet.

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