Dichand zieht Urlaub Gesellschafter- Versammlung vor

25. Februar 2003, 15:49
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Zum Missfallen der WAZ: Ist als Geschäftsführer zur Teilnahme und Auskunft verpflichtet

Weiter Missstimmung zwischen den Hälfteeigentümern der "Kronen Zeitung", der deutschen WAZ-Gruppe und Hans Dichand, herrscht vor der für Donnerstag angesetzten Gesellschafterversammlung. Dichand kann offensichtlich "in Folge eines bereits langfristig geplanten Urlaubs" nicht zugegen sein. Ein entsprechendes Schreiben ist bei Daniel Charim, WAZ-Rechtsvertreter in Österreich, eingelangt. Der kontert: Dichand sei nicht nur Gesellschafter, sondern auch Geschäftsführer, und als solcher zur Auskunft verpflichtet, heißt es in einem Schreiben an Dichands Anwalt. Ein weiteres Mal ortet die WAZ eine mögliche "Pflichtverletzung" durch Hans Dichand.

"Erhebliche Pflichtverletzung"

"Ein Gesellschafter kann natürlich auf Urlaub gehen", meinte Charim. "Aber ein Geschäftsführer, und noch dazu einer der für seine Tätigkeit an die 10 Millionen Euro pro Jahr erhält, hat Pflichten. Und eine dieser Pflichten ist es, zu Generalversammlungen zu kommen." Erfülle Dichand das nicht, handle es sich um eine "erhebliche Pflichtverletzung".

"Inquisition"

Dichand hatte die von der WAZ einberufene Gesellschafterversammlung, bei der heikle Fragen auf der Tagesordnung stehen, über seinen Rechtsanwalt als "Inquisition" bezeichnet, vorerst aber betont, er werde sich dieser "souverän stellen". Dichands Anwalt Karl Hochhaltinger war am Montag vorerst nicht erreichbar.

"Urlaub verschieben"

Wohl hat Dichand laut Charim "selbst Gesellschafterversammlungen bzw. eine Generalversammlung" einberufen, wenn auch bloß "mit ähnlichen Tagesordnungspunkten". Die WAZ aber fordert denn Herausgeber und Hauptgeschäftsführer dennoch auf, seinen Urlaub "zu verschieben" und am kommenden Donnerstag (27. Februar) zu erscheinen. Sollte er dem nicht Folge leisten, erwarte sich die WAZ "umgehend", jedenfalls aber "rechtzeitig vor den Versammlungen" schriftliche Berichte zu den betreffenden Fragen.

Tagesordnung

Auf der Tagesordnung stehen - etat.at berichtete - unter anderem Ergebnisrückgänge der "Krone" im Vorjahr, Verluste beim "U-Express" sowie die Rentabilität des Agierens in Sachen Papiereinkauf, Blattumfang und Vertrieb.

Auflagenrückgang

Kein Grund zur Freude wird für die WAZ wohl auch die am Montag veröffentlichte Auflagenliste für das 4. Quartal 2002 sein: Laut ÖAK verlor die "Kronen Zeitung" 17.972 Stück Auflage (im Vergleich zum 4. Quartal 2001) und lag damit in den letzten drei Monaten des Vorjahres bei einer Verkaufsauflage von 854.134 Stück (siehe dazu: Auflagenkontrolle für das vierte Quartal 2002 - Deutliche Rückgänge "Krone").

Branchenkenner haben wiederholt die These geäußert, dass nicht zuletzt der - von der WAZ kritisch beäugte - kostenlose "U-Express" an Auflagenrückgängen der "Krone" mit schuld sein könnte. Dichand sah indes bisher keinen "Kannibalisierungseffekt". (APA)

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