Junges Publikum

24. Februar 2003, 14:04
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"Zauberflöte für Kinder" in der Staatsoper

Wien - 7.000 Schulkinder aus fast allen Bundesländern werden am Freitag (28.2.) am Tag nach dem Opernball in der Wiener Staatsoper in zwei Nachmittags-Vorstellungen kostenlos eine "Zauberflöte für Kinder" besuchen können. "Vater und Motor der Veranstaltung ist Musikdirektor Seiji Ozawa", sagte Staatsopern-Direktor Ioan Holender heute, Montag, bei der Präsentation des Projekts, das sich an einer ähnlich gelagerten japanischen Initiative orientiert. Ozawa selbst wird die Wiener Philharmoniker dirigieren und gemeinsam mit "Papageno" Hans Peter Kammerer durch eine einstündige Kurzfassung der berühmten Mozart-Oper führen. "Nach meiner Erfahrung sind 60 Minuten dafür das absolute Limit", meinte Ozawa.

Aufbereitung für die Kleinen

Erstmals wird die zum Ballsaal umgebaute Staatsoper für eine derartige Veranstaltung genützt. Eine Mini-Bühne bietet genügend Raum, um mit einem reduzierten Ensemble an Sängern und Musikern das zehn- und elf-jährige Publikum in die Opernhandlung einzuführen und nebenbei etwas Instrumentenkunde zu lernen. Der szenische Aufwand dafür soll minimal gehalten werden ("Sie wissen, wie wenig man braucht für eine gute Inszenierung", schmunzelte Holender), um ein wenig Effekt zu erzielen, werden jedoch die Tier-Kostüme der Lindtberg-Inszenierung aus dem Fundus geholt. "Es ist mir unendlich wichtig, dass es den Kindern gefällt", sagte der Staatsopern-Direktor, "ein ehrlicheres und unbarmherzigeres Publikum als die Kinder gibt es nicht einmal an der Staatsoper."

Um Kinder der 4. und 5. Schulstufe aus 224 Schulen rechtzeitig zu den Vorstellungen um 14.30 Uhr (für Kinder aller Bundesländer mit Ausnahme von Vorarlberg) und 17 Uhr (für Schulklassen aus Wien) in die Staatsoper zu bekommen, ist ein immenser logistischer Aufwand, organisatorische Schwerarbeit des Bildungsministeriums und des Wiener Stadtschulrates sowie der Einsatz von 67 Autobussen (die am Heldenplatz parken dürfen) notwendig. "Vom Interesse her wären wir doppelt überbucht gewesen", betonte Sektionschef Heinz Gruber vom Bildungsministerium. Für nachhaltige Wirkung dieses "vorbildlichen Projekts der angewandten Kunstvermittlung" (Kunststaatssekretär Franz Morak) sorgt auch der ORF, der am 2. März eine Aufzeichnung der "Zauberflöte für Kinder" sendet (voraussichtlich um 9.30 Uhr auf ORF 2) und 3.000 Videokassetten davon herstellt, die an Schulen verteilt werden und zum Selbstkostenpreis von 5,90 Euro erhältlich sein sollen.

Verzicht auf Gagen

Die Musiker, die nicht als Staatsopernorchester sondern als Wiener Philharmoniker auftreten werden (Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg: "Für uns hat das Projekt solche Bedeutung, dass wir nicht nur physisch, sondern auch mit unserem Namen dabeisein wollen"), verzichten ebenso auf Gagen wie Ozawa, die Sängerinnen und Sänger sowie das künstlerische und technische Personal der Staatsoper, die auch auf die Einnahmen einer regulären Freitagabend-Vorstellung (mindestens 100.000 Euro) verzichtet und 50.000 Euro aus ihrem Budget beisteuert. Weitere finanzielle Unterstützung gibt es von der Aktion "Kunst gegen Gewalt" (54.600 Euro) sowie von der Kulturstiftung der Deutschen Bank (35.000 Euro).

Jugendprojekte

Auch künftig will Holender den Tag nach dem Opernball für Kinder- und Jugendprojekte nützen und hat für 2004 bereits ein besonderes Zuckerl anzubieten: Im kommenden Jahr soll John Williams, der Haus-Komponist von Steven Spielberg, Auszüge der mit seiner Musik ausgestatteten "Harry Potter"-Filme dirigieren. Die entsprechenden Filmausschnitte sollen gleichzeitig auf zwei Leinwänden projiziert werden. Holender: "Die Grundidee ist: Film ohne Musik ist gar nichts, Musik ohne Film ist schon mehr, Film mit Musik ist die Erfüllung."(APA)

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