Ein "Latin-Lover-Image" beim Opernball

24. Februar 2003, 13:54
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Startenor Jose Cura wird als Stargast "Cancion a la Bandera" aus "Aurora" von Hector Panizza zum Besten geben

Wien - Der Sänger, Komponist und Dirigent Jose Cura (40) trägt den inoffiziellen Ehrentitel "Startenor" sicher zu Recht. Das argentinische Kraftpaket ist offizieller Stargast des diesjährigen Opernballs in Wien und wird dort "Cancion a la Bandera" aus "Aurora" von Hector Panizza zum Besten geben.

Erst 1991 kam der am 5. Dezember 1962 in Rosario (Argentinien) geborene Musiker zu seinem Debüt in Genua nach Europa. Zuvor war er in seinem Heimatland auch als Dirigent tätig gewesen. Erstes größeres Aufsehen als Sänger erregte Cura 1994: In diesem Jahr konnte er sowohl die "International Placido Domingo Competition" gewinnen als auch als Roberto in Puccinis "Le Villi" beim Festival in Martina Franca auf sich aufmerksam machen.

Sangeskraft

Schon bei dieser Produktion, die als CD-Aufnahme noch erhältlich ist, wiesen die Musikkritiker auf jene zwei Eigenheiten des Tenors hin, die seitdem sowohl Publikum als auch Presse spalten: Curas Einsatz seines überaus ansprechenden Äußeren und die kraftstrotzende, jedoch von Formschwankungen in Intonation und Klangbild beeinflusste Stimme.

Als unbestreitbar gilt Curas herausragende Sangeskraft, die in seinen zum Teil im Liegen gesungenen Arien ein publikumswirksames Symbol gefunden hat. Zum Singen sei er eigentlich nur gekommen, um für das Dirigieren - schon mit fünfzehn Jahren war er als Chordirigent tätig - die Sänger besser zu verstehen, sagte Cura einmal in einem Interview, dann habe er jedoch - unterstützt vom Tenor Vittorio Terranova - gemerkt, dass er eine gute Stimme habe.

"Latin Lover"-Image

Kombiniert mit einem blendenden Aussehen, das jenes "Latin Lover"-Image bedient, das so manchem stimmgewaltigeren Sängerkollegen schmerzlich abgeht, und schauspielerischen Fähigkeiten, die über das gewohnte Maß des Sängerspiels hinausgehen, stand Cura schnell für die vereinten Sängerhoffnungen von Plattenfirmen-Werbung und Konzertveranstaltern.

Prompt wurde für den Jungsänger der publicityträchtige Beiname "Tenor des 21. Jahrhunderts" geboren, und der Starkult ließ - ebenso wie starke Anfeindungen - nicht lange auf sich warten. Aufgeregte (nicht nur weibliche) Fans nach den Vorstellungen, aber auch lautstarke Kundgaben durch aufgebrachte Claques - Cura erregt Aufmerksamkeit. Dass ihm einmal der Kragen platzte und er im Dezember 2000 nach einer negativen Publikumsreaktion bei Verdis "Troubadour" in Madrid seinen Unmut ins Auditorium rief - was ihm unter anderem dem Beinamen "Maradona der Oper" einbrachte -, zeugt vom Grad der Emotionen, die das Verhältnis von Cura zu seinem Publikum prägt.

Paraderolle

In seiner Karriere gastierte Cura in zahlreichen Partien an den namhaftesten Opernhäusern der Welt. Als Paraderolle etablierte sich sein differenzierter Otello, den er unter anderem an Verdis 100. Todestag in der Wiener Staatsoper gab.

Auch vor großen und ungewöhnlichen Aufgaben schreckt Cura nicht zurück: Wenige Tage vor dem Opernball gibt er an der Hamburgischen Staatsoper sein Debüt als Operndirigent in "Cavalleria rusticana", um anschließend die Hauptpartie in "I Pagliacci" zu singen. (APA)

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