Wiener Börse erntet Osteuropa-Früchte

4. März 2003, 19:06
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Erste Bank: 79 Prozent der Aktien im ATX von Osteuropa-Fantasie geprägt

Wien - Optimistische Einschätzungen für die Reformländer Mittel- und Osteuropas sollen der Wiener Börse Flügel verleihen: "Die Integration dieser Länder in die EU und das damit verbundene Wachstum stellen derzeit eine der interessantesten Investmentideen weltweit dar", ist der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck, überzeugt. Nicht weniger als 79 Prozent des heimischen Börseindex ATX sind geprägt von der "Osteuropa-Investment Story", ein höherer Anteil als in jedem anderem Land der Welt.

Österreichische Unternehmen seien mit ihrem Ost-Engagement international führend. So erzielte die Agrana im Jahr 2001 rund 35 Prozent ihrer Umsätze in Osteuropa, bei der BBAG sind es 36 Prozent, bei der OMV gut 18 und bei Mayr-Melnhof 15 Prozent. 77 Prozent der Kunden der Erste Bank befinden sich in diesem Raum. Kein anderes Land exportiert einen größeren Anteil seiner Gesamtausfuhren in die Kandidatenländer, nirgends sind die Direktinvestitionen in die Region im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt höher, führte Mostböck am Montag vor Journalisten in Wien aus.

Starke Wachstumsraten

Die Wachstumsraten der Länder Mittel- und Osteuropas (MOEL) dürften mit 3 bis 4 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Euro-Länder von 1,9 Prozent liegen. Die bevorstehende Aufnahme in die EU, steigende Stabilität, niedrige Lohnkosten bei vergleichsweise hoher Produktivität und echte Wachstumschancen bei sinkenden wirtschaftlichen und politischen Risiken machten Osteuropa für internationale Anleger zunehmend attraktiv, sagte Mostböck.

Trotz der wachsenden Gefahr eines Irakkriegs bleibt die Erste daher unverändert optimistisch in ihrer Index-Prognose: So wird der ATX im zweiten Quartal in einer Bandbreite zwischen 1.150 und 1.250 Punkte gesehen, in der zweiten Jahreshälfte soll er zwischen 1.200 und 1.300 Zählern pendeln. Ein Zielwert von 1.250 Einheiten im zweiten Halbjahr bedeutet gegenüber dem "konservativen" aktuellen Wert von 1.145 ein Plus von 9,2 Prozent.

Mayr-Melnhof, OMV und Co. profitieren

Zu den Titeln mit dem größten Ost-Engagement, das sich in kräftigen Kursgewinnen niedergeschlagen hat bzw. dies noch tun wird, rechnet Erste-Analyst Günther Artner unter anderem Mayr-Melnhof, OMV, Semperit, Telekom Austria und Wienerberger, allesamt Kaufempfehlungen der Ersten.

In Vergleich zu den schwächelnden Weltmärkten habe der Wiener ATX mit einem Jahresplus von 6,3 Prozent 2001 und 0,8 Prozent im Vorjahr durchaus eine Outperformance hingelegt. Auch im laufenden Jahr hält sich der ATX mit -0,3 Prozent seit 1. Jänner durchaus wacker, während der Dow Jones 5,1 Prozent verlor und der deutsche DAX 30 mehr als 10 Prozent im Minus lag.

Solide Bilanzierungspraktiken

Zu dieser überdurchschnittlichen Entwicklung der Wiener Börse trugen laut Mostböck außer der Ostfantasie auch solide Bilanzierungspraktiken, eine attraktive Marktbewertung im internationalen Vergleich und eine günstige Bewertung zyklischer Einzeltitel bei. Für neue Kursauftriebe dürften auch künftige Privatisierungen sowie die neue private Pensionsvorsorge sorgen. Dieses seit Jahresbeginn mögliche Modell "Zukunftsvorsorge" sieht bei einem zehnjährigen Veranlagungshorizont eine staatliche Prämie von derzeit 9,5 Prozent sowie eine Mindestveranlagung von 40 Prozent zunächst nur in den österreichischen Markt vor. Allein dieses Modell sollte zu einem zusätzlichen Mittelzufluss von 500 Mio. Euro jährlich führen.(APA)

  • Heimische Aktien, so Analysten, werden vom Wachstum der osteuropäischen Reformländer besonders profitieren und auch an der Wiener Börse für Gewinne sorgen.
    foto: wiener börse

    Heimische Aktien, so Analysten, werden vom Wachstum der osteuropäischen Reformländer besonders profitieren und auch an der Wiener Börse für Gewinne sorgen.

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