Streit um heimische Schwarzarbeitsquote

24. Februar 2003, 19:12
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OECD und Statistik Austria halten Daten von Volkswirtschafter Schneider für überhöht - Linzer Experte: Statistiker geben inoffiziell zu niedrige Zahlen zu

Wien/Linz - Die Berechnungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider zur Schwarzarbeit werden von der OECD und der Statistik Austria als wissenschaftlich nicht fundiert und stark überhöht kritisiert. Die Statistik Austria hat zuletzt für Österreich einen Schwarzarbeit-Anteil von 3,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) oder 7,3 Mrd. Euro ermittelt.

Schneider erwartete hingegen zuletzt für 2003 einen Anstieg der Schattenwirtschaft auf eine Rekordquote: von im Vorjahr 10,69 auf nun 10,86 Prozent des BIP. In absoluten Zahlen wären dies 22,5 Mrd. Euro - um 3,2 Prozent mehr als 2002. Die Kritik der Statistiker an seinen Methoden erklärt sich Schneider laut einem ORF-Radiobericht so: "Die Statistik Austria sagt inoffiziell, dass ihre Zahl zu tief ist - offiziell dürfen sie das nicht zugeben, also macht man die Sache ein bisschen madig." Der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Statistik Austria, Reinhold Schwarzl, bezeichnet Schneiders Berechnungsart als "Methoden, die Anfang der 70er-Jahre erfunden wurden und schnell in der Literatur als nicht geeignet für diese Zwecke beurteilt wurden".

"Schwarzarbeit auf wenige Bereiche beschränkt"

Kritikpunkt von OECD und Statistik Austria: Schwarzarbeit finde nicht gleichmäßig in allen Sektoren der Volkswirtschaft statt, sondern sei auf wenige Bereiche beschränkt wie etwa Bau, Kfz-Reparaturen, Haushaltshilfen, Gaststätten und Transportwesen. Setze man nun in diesen Bereichen den Schwarzarbeitsanteil so hoch an, dass für die gesamte Volkswirtschaft der von Schneider errechnete Wert herauskomme, dann führe dies zu beachtlichen Zahlen.

So müsste in Österreich nicht nur jedes dritte Haus gänzlich schwarz gebaut sein, sondern es müsste unter anderem zusätzlich jede dritte Autoreparatur, jede dritte Mahlzeit im Restaurant, jede dritte Taxifahrt und jeder dritte Lkw-Transport schwarz durchgeführt sein. "Das ist doch nicht unrealistisch", meint Schneider dazu. Laut OECD und Statistik Austria sei Schwarzarbeit in diesem Ausmaß allerdings undenkbar, ohne dass der Fiskus oder andere Behörden Wind davon bekämen.

Ferdinand Kassberger, Schattenwirtschaftsexperte der Statistik Austria, rechnete vor, dass bei insgesamt 3,9 Mio. Erwerbstätigen in Österreich 750.000 Vollzeitarbeitskräfte nötig wären, um die von Schneider errechnete Schwarzarbeit zu leisten: "Das müsste man irgendwo sehen", so Kassberger, "das kann an der ökonomischen Beobachtung nicht vorbeigehen." (APA, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2003)

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Wenig Licht im Dunkeln
Von Helmut Spudich

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