Angina pectoris: Oft erst spät erkannte Krankheit

25. Februar 2003, 12:52
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Viele Menschen haben seit Jahren ein krankes Herz, ohne davon zu wissen

Saalfelden - Tückisch: Viele Menschen haben ein krankes Herz, doch viele Jahre lang wissen sie nichts davon. Bis dann die typischen Herzschmerzen auftreten, die eine Sauerstoff-Unterversorgung des Pumpmuskels anzeigen.

"Die Angina pectoris entsteht durch den Bedarf an Sauerstoff auf der einen Seite und dem (zu geringen, Anm.) Angebot an Blutfluss auf der anderen Seite. Die Ischämie (Unterversorgung, Anm.) manifestiert sich in einer Kaskade von Ereignissen. Wenn die Durchblutung nicht ausreicht, kommt es zu Stoffwechselveränderungen, in der Folge zu Funktionsstörungen. Der Gipfel des Eisbergs sind die EKG-Veränderungen und die Angina pectoris-Schmerzen", erklärte der Kardiologe Oberarzt Dr. Johann Auer (II. Interne Abteilung am AKH Wels) Sonntag Abend bei der 36. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 28. Februar).

Stabile und instabile Angina pectoris

An sich gibt es zwei verschiedene "koronare Herzkrankheiten": Bei der stabilen Angina pectoris treten die Beschwerden regelmäßig ab einer bestimmten körperlichen Belastung auf. Dahinter stecken zumeist stark kalkhältige und starke, aber stabile Verengungen eines oder mehrerer Herzkranzgefäße.

Akut in den Infarkt übergehen kann jedoch die instabile Angina pectoris. Dabei reißt ein fettreicher Plaque auf, es kommt zur Bildung eines Blutgerinnsels. Auer: "68 Prozent dieser akuten Koronarsyndrome entstehen aus Verengungen von Herzkranzgefäßen von weniger als 50 Prozent." Gerade diese "Stenosen" sind auch schwierig zu entdecken und lösen den "Herzinfarkt aus heiterem Himmel" aus.

Die Behandlung der koronaren Herzkrankheit wird einerseits durch mechanische Maßnahmen durchgeführt. Ballon-Aufdehnung oder Bypass-Operation versuchen, den Blutfluss im Herzen wieder zu normalisieren. Langfristig kann anderseits mit einer medikamentösen Therapie das Risiko für einen Infarkt deutlich gesenkt werden.

Aspirin auch hier hilfreich

Der Welser Kardiologe: "Stickstoffmonoxid-Donatoren (Nitro-Präparate, Nitrate, Anm.), Kalzium-Antagonisten und Beta-Blocker helfen vor allem gegen die Symptome. Mittel wie Aspirin zum Beispiel beeinflussen den Krankheitsverlauf."

Auer weiter: "Aspirin in niedrigen Dosierungen kann bei einer koronaren Herzkrankheit das Infarktrisiko um zirka 50 Prozent reduzieren. In der Primärprävention (bei Gesunden, Anm.) zeigte sich eine Reduktion des Infarktrisikos um 44 Prozent. Es wirkt auch bei Patienten mit instabiler Angina pectoris."

Der Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) hemmt die Blutplättchen-Aggregation und verhindert somit die Bildung von Thromben im Herzen. In den vergangenen Jahren kam auch eine ähnlich wirkende Substanz (Clopidogrel) auf den Markt, welche die Blutplättchen-Zusammenballung über einen anderen Mechanismus blockiert und somit einen zusätzlichen Effekt entfaltet.

Bei Verdacht ins Spital!

Treten verdächtige Symptome auf, die auf eine instabile Angina pectoris hindeuten, muss sofort gehandelt werden. Der Welser Kardiologe Oberarzt Dr. Johann Auer bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden: "Bei einer instabilen Koronar-Krankheit sollte jeder Patient sofort hospitalisiert werden." Blutdrucksenkung, Sedierung (Beruhigungsmittel), Schmerzbehandlung (Morphine) und die schnelle Abklärung der Ursachen sollten binnen kürzester Zeit geschehen.

Auer: "Es wird versucht, so früh wie möglich eine Revaskularisierung durchzuführen." Darunter verstehen die Ärzte die Wiederherstellung des Blutflusses in den Koronararterien. Dies geschieht immer häufiger durch eine Ballon-Dilatation (Aufdehnung mit einem aufblasbaren Katheter, Anm.) der Koronararterie und die Implantierung eines aufklappbaren Drahtgitterrohres (Stent), welches das Herzkranzgefäß langfristig offen halten soll. Die zweite Möglichkeit ist die Thrombolyse, also die Gabe von Medikamenten, welche das aufgetretene Blutgerinnsel wieder auflösen sollen. Bei Patienten, welche im EKG eine typische Veränderung (ST-Strecken-Hebung) als Hinweis auf ein vollständig verschlossenes Koronargefäß aufweisen, sollte auf jeden Fall mit solchen Methoden reagiert werden. Erfolgt eine schnelle und optimale Versorgung von Infarktpatienten, beträgt die Todesrate nur noch wenige Prozent. (APA)

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