Heimische Pharma-Preise im Europa-Durchschnitt

24. Februar 2003, 14:47
posten

Studie: Hohe Umsatzsteuer

Saalfelden - Im Gesundheitswesen soll wieder einmal gespart werden. Man spricht von einer Milliarde Euro. Ins Visier kommen dabei - schon traditionell - die Arzneimittel. Doch das Potenzial für Einsparungen ist gerade dort gering. Das geht aus einer brandneuen Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) im Auftrag der ARGE Pharmazeutika (Vereinigung des österreichischen Pharmagroßhandels) hervor. Im Europa-Vergleich sehr niedrige Herstellerpreise und ebenfalls niedrige Spannen für den Großhandel und die Apotheken führen demnach zu einem durchschnittlichen Preisgefüge - allerdings "künstlich" erhöht durch den hohen Mehrwertsteuersatz Österreichs.

"Österreichischer Pharmagroßhandel im europäischen Vergleich: Preise, Zuschläge", lautet der Titel der über 60 Seiten starken Studie von Evelyn Walter (IWI, Leiter: Prof. Werner Clement). Es handelt sich um die Wiederholung einer Arbeit, wie sie bereits im Jahr 2001 vorgelegt wurde. Seither hat sich die Marktsituation allerdings durch Spannenkürzungen etc. geändert. Die APA erhielt die Studie jetzt am Rande der 36. Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

"Unter europäischen Durchschnitt"

Der Präsident der ARGE Pharmazeutika und Vorstandsvorsitzende des Pharmagroßhandels-Marktführers Herba, Dr. Andreas Windischbauer: "Es wurde immer wieder davon gesprochen, dass man die (Pharma-Handels-)Spannen in Österreich auf einen europäischen Schnitt bringen sollte. Das können wir nur hoffen, das würde uns sogar noch etwas bringen. Mit Einsparungen bei den Arzneimitteln ist kein "Krieg" zu gewinnen. Wir haben als Großhändler seit 1998 rund 35 Prozent unserer Großhandelsspanne verloren. Auf Grund unserer degressiven Spanne (je teurer das Medikament, desto weniger Aufschlag bis hin zu einem bloßen Fixbetrag, Anm.) verlieren wir weiterhin pro Jahr 0,2 bis 0,25 Prozent unserer Bruttospanne."

keine hohen Pharma-Kosten

Österreich ist jedenfalls laut der IWI-Studie keinesfalls ein Land mit hohen Pharma-Kosten. "Das höchste Preisniveau pro Packung verzeichnet innerhalb Europas die Schweiz, in Frankreich ist die durchschnittliche Arzneimittelpackung am billigsten. Österreich positioniert sich - auf Grund der hohen Umsatzsteuer - über dem Durchschnittswert. Zerlegt man jedoch das Preisniveau in seine Komponenten, fällt auf, dass die Umsatzsteuer den einzigen überdurchschnittlichen Bestandteil darstellt", heißt es in der Studie mit einem Vergleich Österreichs mit der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Irland, Italien, Portugal, Spanien, Großbritannien Frankreich und Finnland. Finnland fällt aber aus der Gruppe wegen eines anderen Systems heraus.

Ein Beispiel: In der Schweiz (höchstes Preisniveau) machte der durchschnittliche Preis einer Arzneimittelpackung im Jahr 2001 exakt 21,45 Euro aus. Er setzte sich aus 12,42 Euro Herstellerpreis, 1,78 Euro Großhandelsaufschlag, 6,76 Euro Apothekenaufschlag und 0,48 Euro Mehrwertsteuer zusammen. Österreich liegt hier nach der Schweiz, Deutschland (18,95 Euro durchschnittlicher Packungspreis, 1,34 Euro Großhandelsaufschlag) und den Niederlanden (18,72 Euro Durchschnittspreis pro Packung, 1,7 Euro Großhandelsaufschlag) an vierter Stelle und rein rechnerisch knapp über dem Durchschnitt.(APA)

Share if you care.