Marcel Prawy in Zitaten

24. Februar 2003, 10:14
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Aus dem Buch "Marcel Prawy erzählt aus seinem Leben"

... "'Oper' nenne ich die musikdramatische Darstellung einer unser Herz bewegenden Story mit Melodien, die unser Leben dauernd bereichern. Wenn davon nur ein Kriterium fehlt - die Story berührt nicht unser Herz, die Melodien bereichern unser Leben nicht etc., - kann es sich um ein bedeutendes Kunstwerk handeln, das aber den heiligen Begriff 'Oper' nicht für sich usurpieren darf. (...) Eine Oper ist keine Oper, wenn sie uns nicht süchtig danach macht, sie omnipräsent in unserem Leben zu haben."

... das Regietheater

"Regietheater ist ein vom Regisseur dominiertes und diktiertes Theater. Für die Opernwelt ist es das, was Aids für den menschlichen Körper ist. Es ist die Aufgabe des Regisseurs, das vom Autor verfasste Stück dem heutigen Publikum klar und verständlich zu erzählen. Wenn er unverständlich erzählt, womöglich unverständlicher als das Stück selbst, hat er versagt. Wenn er das Stück anders erzählt, als vom Autor erdacht - wenn man etwa ob seiner Launen die Inhaltsangabe des Werkes umschreiben muss, - wurde das Publikum betrogen und hat das Recht, das Geld für die Eintrittskarte zurückzuverlangen."

... das Publikum

"Zeitgenössische Komponisten schreiben oft, ohne an das Publikum zu denken. Mehr noch, sie verachten es bewusst. Ich lehne das ab. Ich fühle mich auch als Publikum. In der Demokratie besteht das Publikum aus potenziellen Wählern, deren Urteil wir an der Wahlurne schätzen und umwerben. Warum soll deren Stimme in der Kunst nicht zählen? Die allermeisten großen Werke wurden vom Publikum sehr schnell verstanden - oft schneller als von den Fachleuten."

... Wohnungen und Hotels

"Es ist meine Überzeugung, dass wir unsere Wohnungen nur lieben, weil wir es uns nicht leisten können, im Hotel zu wohnen. Mein Traum wären vier Zimmer im Sacher. Das bräuchte ich zum Wohnen, Arbeiten, für Bibliothek, Platten, Videos und für Gäste. (...) Ich bin aber schon deshalb ein Fachmann für das Wohnen, weil ich in meinem ganzen Leben nie eine normale Wohnung bewohnt habe. (...) Ich möchte möglichst wenig Zeit mit jenen Dingen verlieren, von denen ich nichts verstehe und die mich bei der Arbeit stören. Ich will mich nicht mit verstopften Wasserleitungen und der Behebung von Kurzschlüssen beschäftigen, ich will nicht nachdenken, wie ich in der Küche Ameisenschwärme loswerde. Das sollen geschulte Fachleute machen, die das Hotel liefert."

... sein Plastiksackerl-Archiv

"Darüber hat man sich oft lustig gemacht, aber niemand konnte mir eine bessere Möglichkeit der Selbstorganisation empfehlen. Ich habe sehr, sehr viele Bücher, Schallplatten, Akten, CDs, Videos. Und jedes Thema ist bei mir in einem beschriebenen Plastiksack. Ich habe oft am Tag vier oder fünf verschiedene Sachen zu machen. (...) Bei der Unzahl meiner Fernsehsendungen, Vorträge, Schriften wuchs die Nylonsackerl-Sammlung bedrohlich. In meiner Phantasie erschreckt mich manches Sackerl mit einem gespenstisch höhnischen Grinsen."

(APA)

"Marcel Prawy erzählt aus seinem Leben"
Verlag Kremayr & Scheriau
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