Jörg Haiders Familie zeigt den Staatsanwalt an

17. Oktober 2008, 15:37

Haider hatte außer Alkohol keine Drogen konsumiert - Der Abschied des Kärntner Landeshauptmannes findet am Samstag in barockem Prunk statt

Klagenfurt - Ein schlichter Sarg, über und über bedeckt mit roten Rosen und Efeu, ruht auf der Kärntner Fahne, die vorn das Kärntner Wappen ziert. Bundesheer und Feuerwehr halten Ehrenwache. Jörg Haider ist seit Donnerstagvormittag im Wappensaal des Kärntner Landhauses aufgebahrt. Der Sarg wurde in unmittelbarer Nähe zum Fürstenstein platziert, jenem Herrschaftssymbol, auf dem neben dem ebenfalls steinernen Herzogsstuhl die Einsetzung der Kärntner Herzöge (in slawischer Sprache) erfolgte. Viele Menschen zeigen sich nach wie vor geschockt, bekreuzigen sich, knien nieder, weinen oder murmeln Gebete.

Das Zeremoniell der nun offiziell eröffneten Trauerfeierlichkeiten sieht für den privat im Dienstauto verunglückten Landeshauptmann ein Staatsbegräbnis auf Landesebene vor. Kurz vor zehn Uhr erscheint die Familie, Gattin Claudia, die beiden Töchter, um dem Leichnam die Ehre zu erweisen. Danach folgen die Mitglieder der Kärntner Landesregierung.

In ganz Kärnten herrscht Staatstrauer. Die Fahnen wehen auf Halbmast, öffentliche Gebäude sind schwarz beflaggt. Beamten der Kärntner Landesregierung, des Landesschulrates, der Bezirksbehörden wurde freigegeben, damit sie sich am Sarg Haiders verabschieden können. Auch in Kärntens Schulen muss eine Trauerstunde abgehalten werden. Das verfügte Schulreferent Uwe Scheuch, der neue Kärntner BZÖ-Chef. Das führt auch zu kritischen Reaktionen, Eltern sprechen von einer Vereinnahmung und Verunsicherung ihrer Kindern. Ein offenes Wort zu sagen traut sich innerhalb des kollektiven Wehklagens um den Verstorbenen aber keiner.
Immerhin war Haider auch Landesschulratspräsident und gab mit seiner Höllenfahrt im volltrunkenen Zustand nicht unbedingt ein nachahmenswertes Vorbild ab.

In der Zwischenzeit konnten auch die letzten Stunden Haiders rekonstruiert werden. Demnach habe er um 19 Uhr seinen Chauffeur nach Hause geschickt und sei gegen 21.45 Uhr überraschend auf der Vorstellungsparty eines neuen Szene-Magazins im Veldener Lokal Le Cabaret aufgetaucht. Das habe er gegen 23.45 Uhr verlassen.
Laut seinem Vertrauten Stefan Petzner sei er zu diesem Zeitpunkt nicht alkoholisiert gewesen. Danach besuchte Haider das Lokal "Stadtkrämer" in Klagenfurt und feierte dort mit einer Runde Geburtstag. Ein Gast bot an, den sichtlich betrunkenen Haider nach Hause zu fahren, was er abgelehnt habe. Das geht aus einer E-Mail an die Staatsanwaltschaft hervor. Unmittelbar darauf dürfte es zum Unfall gekommen sein. Die Tempoanzeige blieb bei 142 Stundenkilometern stehen, Fachleute gehen davon aus, dass der schwere Wagen zu diesem Zeitpunkt schon an Geschwindigkeit verloren hatte, Haider also deutlich schneller gewesen sein könnte.

Staatsanwalt angezeigt

Der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, bestätigte diesen Hergang der Ereignisse. Kranz wies auch Gerüchte zurück, Haider habe möglicherweise auch Drogen zu sich genommen: „Es konnten weder Drogen noch Medikamente noch Psychopharmaka festgestellt werden, sondern einzig Alkohol." Für die Staatsanwaltschaft sind damit die Ermittlungen abgeschlossen, da es ja keine weiteren Geschädigten gebe. Die Familie Haiders will Staatsanwalt Kranz jetzt wegen der Veröffentlichung von Ermittlungsdetails, Bruchs des Amtsgeheimnisses und Amtsmissbrauchs anzeigen.

Auch die Kirche wird Jörg Haider mit barockem Totenprunk zur letzten Ruhe geleiten. Nach der offiziellen Verabschiedung am Neuen Platz, zu der man 20.000 Menschen erwartet, wird im Klagenfurter Dom das Mozart-Requiem unter Anwesenheit des päpstlichen Nun_tius Edmond Farhat zelebriert. Die Bischöfe Alois Schwarz, Egon Kapellari und der evangelische Superintendent Manfred Sauer werden Traueransprachen halten. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2008)

Aufgrund der großen Anzahl an pietätlosen Postings sieht sich derStandard.at gezwungen, zu diesem Thema ausnahmsweise nur ein beschränktes Forum einzurichten.

  • Nach der offiziellen Verabschiedung am Neuen Platz, zu der man 20.000 Menschen erwartet, wird im Klagenfurter Dom das Mozart-Requiem unterAnwesenheit des päpstlichen Nuntius Edmond Farhat zelebriert.
    foto: cremer

    Nach der offiziellen Verabschiedung am Neuen Platz, zu der man 20.000 Menschen erwartet, wird im Klagenfurter Dom das Mozart-Requiem unterAnwesenheit des päpstlichen Nuntius Edmond Farhat zelebriert.

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    Seit Donnerstag ist Haiders Leichnam in einem einfachen Sarg im Wappensaal des Kärntner Landhauses öffentlich aufgebahrt. Hunderte Menschen erwiesen am ersten Tag Haider die letzte Ehre.

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