Fische hören, Nüsse ernten

20. Oktober 2008, 15:04
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Im Maia Resort auf den Seychellen wird höchster Luxus geboten - dazu gehört, dass man sich sein Essen selbst besorgen darf

Dass Essen, Getränke und Rauchen in Geschäften verboten sind, überrascht Europäer nicht wirklich. Wenn auf der Eingangstür des kleinen Gemischtwarenladens in Victoria, der Hauptstadt der Seychellen, aber über das Fischverbot zu lesen ist, stutzt man. Und erfährt schließlich mehr über die Einkaufsgewohnheiten in der Inselrepublik.

"Am Samstag geht jeder auf den Markt und holt den frischen Fang. Der wird mit Plastikschnüren zusammengebunden und baumelnd durch die Straßen getragen. Das Tropfwasser beginnt aber furchtbar zu stinken", erzählt Sylvia Vidal. Sie ist die Ehefrau von Frédéric, dem Manager des Luxusresorts Maia im Südwesten der Hauptinsel Mahé, und zeigt Gästen die Hauptstadt.

Wie den täglichen Markt. Nicht nur Fische in allen Farben - prächtige Red Snapper, Gelbflossen-Thunfisch und grün leuchtende Rifffische - gibt es hier. Andere Stände bieten Vanilleschoten an, noch feucht glänzend und um einen Euro pro Stück. Daneben liegen Rindenstücke mit rauer, aufgesprungener Borke. Nur wer daran riecht, erkennt, um was es sich handelt. Zimt. Erst wenn man die innere Schicht hauchdünn abschält, ringelt sie sich zu den bekannten Zimtstangen zusammen.

Wieder andere bieten Curry-Mischungen an. Hellgelb bis haselnussbraun sind die feinen Pulver und versprechen kreolisch-indischen Geschmack von sanftem Aroma bis hin zu höllischer Schärfe.

Eine Schärfe, die man zwei Nächte zuvor im À-la-carte-Restaurant im Maia Resort erleben konnte. In einem Fledermaus-Curry. Dessen fleischlicher Bestandteil nicht aus den bei uns heimischen Tieren besteht, sondern aus Fruit Bats - Fledermäusen, die sich vegetarisch ernähren und ähnlich wie Kaninchen schmecken.

Überhaupt, das Essen. Gleichgültig, ob man im "Tec Tec"-Restaurant (benannt nach der kleinen Siedlung, die vor dem Bau der 30 Luxusvillen hier stand) isst oder im "Bonbon Plume" am traumhaften Strand Anse Lazio auf der Nachbarinsel Praslin: Exzellente kreolische Küche gibt es überall, im Resort kann man noch aus der mediterran angehauchten internationalen Speisekarte wählen.

 

Gezähmter Dschungel

Wer sich lieber selbst um sein Essen kümmert, braucht nur einen Stock. Mit dem kann man zum Beispiel die reifen, saftigen Karambolen vom Baum schlagen. Oder die runden Früchte des Brotfruchtbaumes, die die Bevölkerung als Erdäpfel-Ersatz nutzen. Oder man besorgt sich eine frische, junge Kokosnuss.

All diese Pflanzen wachsen im "gezähmten Dschungel", wie Gartendesigner Alain Margerite das Gartenkonzept nennt. 200 Arten wurden in dem am 1. September 2006 eröffneten Resort gepflanzt, sie dienen auch als üppig wuchernde Sichtbarrieren.

Von den 250 Quadratmeter großen Villen sind nur die in die Gärten führenden Tore zu erkennen. Die Häuser liegen versteckt inmitten der tropischen Flora. Lässt man sich in der Dusche das Wasser auf den Kopf prasseln, muss man nicht fürchten, durch die transparenten Hauswände beobachtet zu werden. Ebenso wenig, wenn man in dem in die Terrasse eingelassenen Pool seine Runden dreht.

Diese Abgeschiedenheit ist es, die die reiche Klientel so schätzt. "In einer Villa ist man einfach freier als in einem Hotel. Dort ist man ständig von Wänden umgeben, hier hat man das Gefühl, in einem Garten zu sein", sagt Manager Frédéric Vidal. Manche Gäste verlassen die Villen drei bis vier Wochen nicht oder wenn, dann nur für eine Massage oder La-Prairie-Kosmetikbehandlung im hauseigenen Spa.

Möglich macht dieses selbstgewählte Eremitendasein die Nummer Neun. Die muss man nämlich im internen Telefonsystem wählen, um mit seinem persönlichen Butler verbunden zu werden. Was das Telefon zur elektronischen Variante der Wunderlampe macht.

Unabhängig davon, wie lange man bleibt, stets ist derselbe Mann präsent. Zimmerreinigung, das Servieren der Mahlzeiten, das Gepäck oder die Organisation des Urlaubs-Alltags: Alles erledigen Männer wie Salim Appannah. Bis zu einem halben Jahr vor der Eröffnung begann auch für ihn das Training für die Angestellten, erzählt Vidal.

 

Später Start

Seit 1976 sind die insgesamt 115 Inseln von Großbritannien unabhängig. Spuren hat das Empire aber wenige hinterlassen - praktisch alle Ortsbezeichnungen sind französisch, die Bevölkerung stammt von den Sklaven ab, die die Franzosen verschleppt hatten, ehe sie die Kolonie 1812 an die Briten verloren.

Die Seychellois haben aber geschickt taktiert: Drei Jahre nach der Unabhängigkeit brachte ein unblutiger Putsch zwar ein sozialistisches Ein-Parteien-Regime - für einen Marine-Stützpunkt der USA bekamen sie aber eine hübsche Pacht. Das Geld wurde offenbar nicht unterschlagen: Slums und furchtbare Armut wie in anderen afrikanischen Staaten finden sich hier nicht.

Der Tourismus ist hier ein verhältnismäßig neuer Wirtschaftszweig, den die amtierende Regierung (der Präsident der Republik ist übrigens wenig demokratisch gleichzeitig Polizei-, Innen-, Justiz- und Informationsminister) kräftig ausbauen will. "Der späte Start ist einerseits ein Vorteil. Die großen Bettenburgen werden hier wohl nicht mehr gebaut, der Naturschutz wird ernst genommen", meint Manager Vidal.

"Andererseits muss das Personal eben besonders ausgebildet werden, und die Infrastruktur ist teilweise noch nicht perfekt." Qualitätstourismus mit höherer Wertschöpfung ist das Ziel der Regierung, umzäunte Urlauber-Ghettos sollen aber keine entstehen. "Der Strand ist für alle offen, zu uns kommen in den Pausen immer wieder Kinder aus der benachbarten Schule", berichtet der 38-jährige Manager. Doch was braucht der Urlauber Infrastruktur, wenn er oder sie den Indischen Ozean hat.

Glitzernd weiße Strände sind von imposanten Palmen gesäumt. Wie der Coco de Mer oder Seychellenpalme, die mit bis zu 30 Kilo schweren Nüssen die größten Samen der Welt hervorbringt. 24 Grad Celsius auf dem Bauch, 29 Grad auf dem Rücken - diese Temperaturen erlebt man hier im glasklaren Wasser das ganze Jahr über. Zum Beispiel wenn man schnorchelt. Die souverän vorbeigleitende Meeresschildkröte ist dabei ein unvergesslicher Anblick. Ebenso die fast einen Meter langen Flötenfische, die an den Korallenriffen auf ihre Beute warten und sich kaum durch den vorbeitreibenden Eindringling stören lassen.

Oder die in allen Farben schillernden anderen Fische, denen man beim Essen zuhören kann. Da man praktisch alleine im Wasser ist und keine Motorboote stören, hört man das Knabbern der großen Tiere an den Korallen deutlich. (Michael Möseneder/DER STANDARD/Rondo/17.10.2008)

Informationen:

Unterkunft:
Maia Luxury Resort

Anreise:
Air Seychelles ab London, Paris, Mailand und Rom,
zahlreiche Inlandsflüge, Emirates ab Wien über Dubai

Offizielle Tourismus-Homepage:
seychelles.com

 

  • Jede Villa der Hotelanlage ist uneinsehbar und von einem Garten umgeben. Für das Wohl sorgt ein persönlicher Butler. Manche Gäste verlassen die Villen wochenlang nicht.
    foto: maia resort

    Jede Villa der Hotelanlage ist uneinsehbar und von einem Garten umgeben. Für das Wohl sorgt ein persönlicher Butler. Manche Gäste verlassen die Villen wochenlang nicht.

  •  Auf 250 Quadratmetern pro Villa logiert der Gast, Privatpool inklusive.
    foto: maia resort

    Auf 250 Quadratmetern pro Villa logiert der Gast, Privatpool inklusive.

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