Steirische Äpfelwerbung mit tiefem Dekolleté "kein Grund zum Einschreiten"

16. Oktober 2008, 17:22
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Beschwerde der Grünen und des Doku Graz vom Werberat nicht nachempfunden - Kritik am "fast reinen Männerbund": "Unausgeglichene Perspektive"

Der Österreichische Werberat hat über die von den Grünen und dem Doku Graz kritisierten "Frisch, saftig, steirisch"-Plakate für steirische Äpfel getagt. Zwar empfiehlt dieser in Zukunft bei der Gestaltung der einzelnen Sujets "sensibler" vorzugehen", sieht aber im beanstandeten Sujet "keinen Grund zum Einschreiten".

Kritik an Lücke im Gleichbehandlungsrecht

Der Grünen Landtagsabgeordneten Edith Zitz, die die Kampagnenkritik in die Öffentlichkeit getragen hatte, geht das Urteil des Werberats nicht weit genug: "Er hätte sich ruhig klarer positionieren können." Gerade dieser Anlassfall zeige, dass das österreichische Gleichbehandlungsrecht eine "grobe Lücke" habe, so Zitz in einer Aussendung am Donnerstag. In der aktuellen Neufassung vom August 2008 ist nämlich der Bereich der Werbung ausgenommen worden. Das bedeute, dass Frauendiskriminierung nach wie vor zulässig sei und der öffentliche Raum weiter mit solchen Bildern belästigt werde, so Zitz.

"Unausgeglichene Perspektive"

Außerdem kritisierte sie den Umstand, dass der Vorstand des Werberates "fast ein reiner Männerbund" sei – er besteht aus sechs Männern und nur einer Frau und "entscheidet aus dieser doch unausgeglichenen Perspektive, ob eine Werbung sexistisch ist oder nicht." Zitz wünscht sich, dass sich Werberats-Präsident Michael Straberger bis zur nächsten Vorstandswahl ein Modell überlegt, in dem Frauen mehr Gewicht bei den Entscheidungen bekommen.

Auf stadteigene Werbefirma Einfluss nehmen

Auch die Grüne Frauensprecherin Daniela Grabe zeigte sich von der "sehr schwachen" Reaktion des Werberats enttäuscht und forderte konkrete Maßnahmen durch Einflussnahme der Stadt auf die stadteigene Werbefirma. "Sexismus ist eine Form der strukturellen Gewalt und darf in einer zeitgemäßen Politik und einer Stadt mit politischen Steuerungsmöglichkeiten, die sich die Wahrung und Förderung der Menschenrechte auf die Fahnen heftet, nicht geduldet werden", so Grabe. (red)

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Österreichischer Werberat: steirische Äpfel-Plakatwerbung

  • In der Begründung des Werberats ist von einer "ironischpersiflierenden" Sujetserie die Rede. Alle sechs Sujets seien "zweideutig und zielen in ihrer kombinierten Bild-Text-Aussage auf unterschiedliche Zielgruppen ab". Das gezeigte Sujet gebe demnach keinen Grund einzuschreiten, wobei eingeräumt wurde, dass es zu "Missinterpretationen" kommen könnte. "Empfehlenswert wäre es hier, besagtes Sujet zumindest in unmittelbarer Nähe eines anderen Sujets der Kampagne zu platzieren."
    foto: grüne graz/sujet frisch saftig steirisch
    Foto: Grüne Graz/Sujet Frisch Saftig Steirisch

    In der Begründung des Werberats ist von einer "ironischpersiflierenden" Sujetserie die Rede. Alle sechs Sujets seien "zweideutig und zielen in ihrer kombinierten Bild-Text-Aussage auf unterschiedliche Zielgruppen ab". Das gezeigte Sujet gebe demnach keinen Grund einzuschreiten, wobei eingeräumt wurde, dass es zu "Missinterpretationen" kommen könnte. "Empfehlenswert wäre es hier, besagtes Sujet zumindest in unmittelbarer Nähe eines anderen Sujets der Kampagne zu platzieren."

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