"Schweiz steht besser da als andere Länder"

15. Oktober 2008 19:18

Das Bankenland schnürt kein Rettungspaket für den Finanzmarkt und berät allein über höhere Einlagensicherung

Banker hasten in der Abenddämmerung über den Zürcher Paradeplatz, die blau-weißen Trams rattern durch ihre Spur, und im Café Sprüngli schlemmen die Gäste feine Torten. Es ist ein Bild wie an vielen anderen Tagen, hier im Zentrum des Schweizer Finanzkapitalismus. Doch viele Manager haben ihre gute Laune wiedergefunden, nachdem sie wochenlang Horrormeldungen über die globale Finanzkrise verdauen mussten.

"Der Montag war ein grandioser Tag, mal sehen ob es jetzt weiter bergauf geht", sagt ein Bank-Angestellter. Im Hintergrund prangt der Schriftzug Credit Suisse, um die Ecke residiert die UBS. Der vergangene Montag ging tatsächlich in die Geschichte des Schweizer Aktienmarktes ein: Nie zuvor raste der Swiss Market Index (SMI) so rasant nach oben: Er gewann mehr als 600 Punkte und schloss um 11,4 Prozent besser ab als am Freitag zuvor. Besonders kräftig legten die Werte der Großbanken Credit Suisse und UBS und auch der kleineren Bank Julius Bär zu. Am Mittwoch gab der Index aber wieder ab. Und am letzten Börsentag der vergangenen Woche war er auf den tiefsten Stand seit Oktober 2004 gerutscht.

Beflügelt wurde die Schweizer Börse von den News über die Stützungsaktion Europas Regierungen für ihre Geldhäuser: Das Bankenland im Herzen Europas profitiert wieder einmal von der Politik der EU - selbst gehört die Schweiz freilich nicht dazu. Und: Sie will als einziges europäisches Land mit großer Finanzindustrie keine staatliche Rettungsaktion für seine Banken auf den Weg bringen. "Warum soll man Geld hineinpumpen, wenn es nicht nötig ist?", fragt Bundespräsident Pascal Couchepin im Schweizer Fernsehen. Couchepin hielt sich in der Finanzkrise lange Zeit bedeckt. Im Gegensatz zu den Regierenden in Europa und den USA vermieden es die Bundesräte auch, Finanzmanagern die Leviten zu lesen. "Manchmal ist Schweigen besser", fasst Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard die Strategie des Regierungsgremiums zusammen. Immerhin wollen die Bundesräte über eine höhere Einlagensicherung beraten. Noch schützt der Staat Bankguthaben bis 30.000 Franken.

Rückendeckung erhält das Kabinett aus der Finanzbranche. Der Präsident der Schweizer Bankiervereinigung, Pierre Mirabaud, beruhigt seit Wochen. "Die Schweiz steht viel besser da als viele Länder", sagt der oberste Banker. "Ich bin überzeugt, dass keine Schweizer Bank zusammenbrechen wird." Grund: Die meisten der 320 helvetischen Institute ließen von riskanten US-Geschäften und dem Investmentbanking die Finger.

Doch Mirabaud, der selbst eine Genfer Privatbank leitet, vergisst nicht, auf Großbanken zu verweisen: Die global agierenden Schwergewichte UBS und Credit Suisse wurden in der Subprime-Krise in den USA heftig durchgeschüttelt. Die UBS bezahlte für ihr riskantes Geschäft mit Ramschhypotheken einen hohen Preis: Über 40 Mrd. Dollar musste sie im US-Geschäft abschreiben. Marcel Ospel, Präsident des UBS-Verwaltungsrates, hatte seinen Posten zu räumen.

Doch je stärker die Finanzkrise an der Wall Street eskalierte, umso ruhiger wurde es um den Zürcher Paradeplatz. "Die Zitterpartie um die UBS scheint vorbei zu sein", analysiert Bankenexperte Hans Geiger. "Es war eine brutale Zeit für die UBS, sie hat sich aber schnell wieder kapitalisiert." (Jan Dirk Herbermann, Zürich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2008)

Kommentar posten
18 Postings
Gschisti Gschasti
 
16.10.2008 11:49
Schweiz steht besser da als andere Länder...


und ist nicht in der EU =)

Gnowl
 
16.10.2008 12:21
Die Meldung oben stimmt eh nicht (mehr)

Die Schweiz steht schlechter da als andere Länder, weil sie nicht in der EU ist.
Sie profitiert aber von den Maßnahmen der EU Länder
Und muss zusätzlich noch eigene Feuerwehraktionen starten.

Antimonetarier
16.10.2008 12:15
naja,

aber das war GESTERN!

krokokater
 
16.10.2008 11:41
Aus der Leserkommentarspalte der NZZ:

S. W. Garantieren wir dafür?
Anlässlich der Übernahme von P. Webber durch die UBS, zitiere ich aus Facts Nr. 42 v. 19.10.2000:
Anf. Zitat: Ospel hat dem P. Webber Chef nicht nur 104 Mio CHF versprochen. Bis ans Lebensende wird ihm zusätzlich eine Jahrespauschale von 8.7 Mio. überwiesen. Nach dem Ableben würde seine Frau eine jährliche Zahlung von 6.5 Mio. erhalten. .....Ospel wird einen Investment Fonds mit mindestens 500 Mio. CHF öffnen, den Marron (anm. Chef Paine Webber) nebenbei führen wird....bis ins Jahr 2013 wird Marron ein Fahrzeug samt Fahrer zur Verfügung gestellt. Dazu kommt ein Büro in Midtown Manhattan und ein Assistent, auch auf Kosten der UBS. Übernommen werden künftig auch die Krankenversicherung für die ges. Familie...

Minimonk
16.10.2008 11:18

wer diese meldung mit der ubs-meldung von heute vergleicht, ist ein mündiger medienkonsument und kann daraus erkennen: Lug und Trug, wohin man schaut.

HiRn
16.10.2008 10:55
Natürlich ist schweigen für die Schweiz besser

ist sie doch den restlichen nationen ein dorn im auge mit ihrer Steurer und Finanazpolitik welche das geld der Mächtigen und Reichen und der Mafia anlockt, Geldwäsche und Steuerhinterziehung weltweit fördert.

Vokuhila plus 18 Karat Goidketterl
16.10.2008 10:41
UBS verstaatlicht, so schnell kanns gehn

Zürich / Basel, 16. Oktober 2008, 07:00
UBS entfernt Risikopositionen aus ihrer Bilanz durch Transaktion mit der Schweizerischen Nationalbank

Kapitalerhöhung um CHF 6 Milliarden durch Platzierung einer Pflichtwandelanleihe bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) und UBS haben eine Vereinbarung abgeschlossen, die den Transfer von höchstens USD 60 Milliarden illiquider Wertpapiere und anderer Problembestände aus der Bilanz von UBS an eine separate Zweckgesellschaft vorsieht.

Mit dieser Transaktion kann UBS die potenziellen zukünftigen Verluste auf diesen Vermögenswerten beschränken, ihre langfristige Refinanzierung sicherstellen, die risikogewichteten Aktiven abbauen sowie ihre Bilanz aus Risikosich

haribellafonte
16.10.2008 10:28

www.nzz.ch: von heute:
"Auch die Schweiz stützt ihr Finanzsystem..... mehrer Dutzend Milliarden Franken ins Finanzsystem..."

Bisserl peinliche Geschichte für die Schweizer.

Vokuhila plus 18 Karat Goidketterl
16.10.2008 10:19
sagt doch alles darüber aus

womit die banken ihr geld verdienen. Schnelle Spekulationen an den Börsen, das traditionelle Bankgeschäft wirft ja zu wenig ab, der Aktionär erwartet Renditen von 20 Prozent per anno. Das lässt sich halt mit "Sparkassengeschäften" nicht verdienen. Möget ihr hart auf die Schnauze fallen!

Terence Lennox
16.10.2008 09:51
und einen tag später..

..stimmt die meldung schon nicht mehr..

more ideas
 
16.10.2008 08:06
laut meiner schaetzung muesste

das paket 3 mal so gross wie das oesterreichische sein.

Die finanzielllen Auslandsverknuepfungen
sind ca 3x so hoch

DIE IN DER SCHWEIZ ANGELEGTEN Gelder

werden ja wieder im ausland investiert !!!!

( 1800 Mrd € sind das)

Urfahraner Auge
16.10.2008 08:44
Naja,

die Schweizer Banken hanen es anscheinend nie nötig gehabt, mit hohen Zinsen um Kundengelder zu werben, die sie dann riskant in Zertifikaten anlegen. Es war doch eher so, dass sie das ihnen aufgedrängte Geld dann als billigen Kredit an die österreichischen Häuslbauer vergeben haben.

more ideas
 
16.10.2008 10:21
auch an amerkanische ???

Urfahraner Auge
16.10.2008 10:45
Gute Frage

Ich gehe aber eher davon aus, dass man die billigen Kredite nur an Leute mit höhere Bonität vergeben hat.

Dr. Bankster: 1/2 Banker, 1/2 Gangster!
16.10.2008 07:50

Die Schweiz ist gerade mit € 4 Mrd. bei der UBS eingestiegen. ;-)

Sabrine Grünbaum
16.10.2008 01:00
noch hoffen wir alle, dass die usa die schweizer grossbanken retten wird

die schweizer grossbanken, vor allem die ubs ist enorm in die us-finanzkrise involviert und hat bisher bereits milliardenverluste zugeben müssen. derzeit warten alle ab, ob auch die schweizer grossbanken vom us-rettungspaket umfasst sein werden (was rechtlich möglich scheint, weil diese in den usa mit eigenen tochterbanken agierten) - klappts nicht, weil vor allem die kongressabgeordneten und senatoren, die fast alle vor wahlen stehen, die erhöhung der 700 mrd usd (die zwingend erforderlich werden) dann nicht genehmigen, wenn ausländische banken mitgerettet werden. dann gute nacht liebe schweiz und liebes europa (denn ganz europa muss dann einen islandfall bei der schweiz abwenden)...

powerpack
15.10.2008 20:35

die Schweiz ist wie nur wenige Länder sehr stark abhängig von der Finanzwirtschaft. Insofern handelt es sich hier lediglich um "Zweckoptimus" und die Rettungspakete werden nur deshalb nicht geschnürt, weil 1. der genaue umfangs des Kapitals gar nicht offiziell bekannt ist (ich sage nur Schweizer Bankgeheimnis) und 2. wahrscheinlich zu hoch um vom kleinen schweizer Staat noch gedeckt zu werden.

In der Schweiz herrscht anscheinend das Prinzip Hoffnung oder selbstmörderischer Hochmut...mal schaun.

José Atento
15.10.2008 21:28

In der Schweiz haben viele mächte Leute dieser Welt ihr Geld liegen. Ich denke, dass die Schweiz keine Probleme mit dem Abzug des Geldes hat. Im Gegenteil. In Krisenzeiten strömt das Geld eher in die Schweiz.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.