Petzner: "Angst zu haben ist nichts Schlechtes"

15. Oktober 2008, 18:30
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Stefan Petzner will das Erbe seines "Lebensmenschen" Jörg Haider weitertragen, sagt er im STANDARD-Interview

STANDARD: Sie haben gesagt, die Schuhe Jörg Haiders sind groß, aber Sie werden darin gehen und nicht umfallen. Was befähigt Sie, die Nachfolge Jörg Haiders anzutreten?

Petzner: Das ist eine Frage, die sich auch die Leute in den anderen Parteien stellen. Was mich befähigt? Ich glaube, dass das Alter keine Rolle spielt. Es kommt darauf an, wie man als Mensch in seiner Seele ist. Der Jörg hat den Satz geprägt; ich bin zwar erst 27 Jahre, aber in meinem Herzen wohnt eine alte Seele. Und so sehe ich das auch. Ich bin ein reifer Mensch. Ich weiß sehr viel, ich kann sehr viel. Ich kenne die Politik. Ich hätte das nie gemacht, wenn ich mir das nicht zugetraut hätte und die innerliche Kraft spüren würde, es schaffen zu können. Ich habe den Willen, die Kraft und das Können. Und das Herz habe ich auch.

STANDARD: Sie gehen jetzt als Klubobmann des BZÖ nach Wien ins Parlament. Haben Sie keine Angst? Sie waren noch nicht einmal Abgeordneter.

Petzner: Sie können jetzt schreiben: lange Gedankenpause. Ich bin ein Mensch, der auch Angst hat, natürlich. Jeder Mensch hat Angst. Angst ist etwas ganz Natürliches. Angst zu haben ist nichts Schlechtes. Auch die Angst hat ihren Zweck und Sinn. Angst kann auch Schutz geben. Aber in dem Fall, was das Parlament betrifft, habe ich weniger Angst, sondern Respekt. Respekt vor dieser Aufgabe und Herausforderung. Ich sehe das als etwas sehr Besonderes an. Und ich werde jetzt natürlich mein Mandat nehmen, das hat ja noch keiner gefragt. Darauf habe ich mich mit dem Landeshauptmann noch persönlich verständigt. Ja, ich werde mein Mandat im Nationalrat annehmen. Das war eine der letzten politischen Entscheidungen, die ich mit dem Landeshauptmann getroffen habe.

STANDARD: Schwerpunkt des BZÖ war und ist Kärnten. Gerhard Dörfler wird Landeshauptmann, Uwe Scheuch Landesparteichef. Fürchten Sie nicht, dass Sie von der Basis des BZÖ abgeschnitten werden könnten?

Petzner: Nein, diese Angst habe ich nicht. Ich bleibe ja geschäftsführender Landesparteiobmann. Das war mir auch ganz wichtig. Ich lasse meine Kärntner Freunde, meine Bezirksgeschäftsführer und Ortsgruppenobleute, die ich alle kennen, schätzen und auch lieben gelernt habe, nicht alleine. So wie auch Jörg Haider werde ich meinen Hauptwohnsitz weiterhin in Kärnten haben. Ich werde nicht nach Wien übersiedeln. Ich werde in Kärnten zu Hause bleiben.

STANDARD: Was sind Ihre Erwartungen für die Landtagswahl in Kärnten? Das BZÖ steht bei 42 Prozent.

Petzner: Unser Ziel hat sich nicht geändert, unser Ziel ist es, die klare Nummer eins zu werden. Das werden wir auch schaffen. Ich denke auch schon über den Wahlkampf nach. Ich habe schon erste Plakatideen im Kopf, die mich sehr positiv stimmen.

STANDARD: Wie schauen diese Plakate denn aus? Ist da Jörg Haider drauf? Ist das Ihre Strategie?

Petzner: Eine gute Wahlkampfstrategie trägt die Flexibilität in sich. An der Strategie bastle ich schon seit Monaten. Jetzt ist Flexibilität gefragt.

STANDARD: Was für eine Rolle wird Haider in dieser Strategie einnehmen?

Petzner: Da muss man jetzt Adaptierungen vornehmen. Es ist ein Unterschied, ob man einen Spitzenkandidaten Jörg Haider hat oder ob man einen Mythos Jörg Haider hat, der nicht mehr unter uns ist. Wie soll ich das formulieren? Wir müssen den Wahlkampf führen. Und wir werden ihn führen. Ja. Ich glaube, das ist klar.

STANDARD: Wird es inhaltlich eine Kurskorrektur geben?

Petzner: Es gibt ein solides Fundament. Es gibt das politische Erbe Jörg Haiders. Die Grundpositionen werden nicht geändert. Aber - und dieses Aber ist wichtig -, was mich befähigt und auszeichnet, ist: immer wieder aufs Neue die eigenen politischen Positionen und Grundsätze zu überdenken und den aktuellen Herausforderungen anzupassen. Das Erbe Jörg Haiders weiterzutragen heißt auch, nicht zu erstarren, sondern offen zu sein für Neues. Und das bin ich.

STANDARD: Ist der harte Umgang mit Ausländern und besonders mit Asylwerbern, den Jörg Haider gepflegt hat, auch Ihre Linie?

Petzner: Ich war immer ein Verfechter einer strengen Linie in der Ausländerfrage und werde diese Linie auch beibehalten. Für dieses Land ist eine strenge Linie in dieser Frage notwendig. Das Wahlprogramm des BZÖ, das Parteiprogramm trägt meinen Geist. Das Wahlprogramm des BZÖ stammt aus meiner Feder und trägt den Geist Jörg Haiders. Da steht eigentlich alles drinnen, wofür Stefan Petzner steht, auch in der Ausländerfrage. Ich habe jeden Buchstaben, der da drinnensteht, selbst geschrieben.

STANDARD: Ist mittelfristig oder langfristig ein Zusammengehen mit der FPÖ denkbar? Oder ist eine Kooperation denkbar?

Petzner: Eine Wiedervereinigung ist kein Thema. Die FPÖ hat auf eine anstandslose und charakterlose Art und Weise versucht, aus dem tragischen Unfalltod des Landeshauptmanns politisches Kapital zu schlagen. Die FPÖ wollte das Erbe Jörg Haiders auseinanderreißen, indem sie allen anbot, sie sollen doch zur FPÖ wechseln. Das hat mich darin bestärkt, die Wiedervereinigung erst recht auszuschließen. Das wird es nicht geben.

STANDARD: Sie haben die Alkoholisierung von Jörg Haider in der Unfallnacht bekanntgegeben. War der mediale Druck so groß?

Petzner: Ich habe erwartet, dass der Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte. Ich habe das auch vor Tagen bestätigt bekommen. Ich habe das auch der Claudia mitgeteilt. Wir haben uns darauf geeinigt: Es ist niemand verletzt worden. Und er hat den höchsten Preis bezahlt, den man bezahlen kann, nämlich mit seinem Leben. Das betrifft die Privatperson. Wir haben uns entschieden, das nicht bekanntzugeben, im Wissen, dass es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Recherchen diverser Medien geben wird. Wir wollten das nicht von uns aus thematisieren, weil es einfach anstandslos ist. Heute war es so weit. Wir haben uns entschieden, es zu bestätigen. Ich appelliere, in der Berichterstattung, was diesen letzten Tag betrifft, die Stopptaste zu drücken. Ich hoffe, dass dieser Appell, den ich für die Familie und als sein Lebensmensch gemacht habe, gehört und akzeptiert wird. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2008)

  • "Ich habe erwartet, dass Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte",
sagt Stefan Petzner über den Unfalltod Jörg Haiders.
    foto: standard/fischer

    "Ich habe erwartet, dass Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte", sagt Stefan Petzner über den Unfalltod Jörg Haiders.

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