Haider hatte außer Alkohol keine Drogen konsumiert

16. Oktober 2008, 16:28

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt tritt damit Spekulationen entgegen Haider könnte unter Drogeneinfluss gestanden sein: "Alles negativ"

Klagenfurt - Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt tritt Spekulationen entgegen, der verunglückte Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider könnte bei seinem Unfall unter Drogeneinfluss gestanden sein. "Im Vortestverfahren ist alles negativ, keine Drogen", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, im Ö1-Mittagsjournal.

Unter Berufung auf eine bei der Staatsanwaltschaft eingelangte E-Mail berichtete Kranz außerdem, dass Haider vor seinem Unfall in einem Klagenfurter Szenelokal gewesen sei. Aus der Nachricht gehe hervor, dass ihm angeboten worden sei, ihn nach Hause zu bringen, was Haider jedoch abgelehnt habe. Ursprünglich hatte es geheißen, Haider hätte sich nach einem offiziellen Termin in Velden am Wörthersee auf den Nachhauseweg gemacht.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall nun so gut wie abgeschlossen. Es gibt laut Kranz kein Fremdverschulden und keinen Drittbeteiligten. Lediglich einige schriftliche Aussagen würden noch ausgewertet.

Schon gestern war die Frage, warum Jörg Haider im dichtbesiedelten Gebiet mit einem Tempo von 142 km/h unterwegs war, weitgehend geklärt. Wie Haiders letzter Sprecher, der nunmehrige BZÖ-Chef Stefan Petzner am Mittwochnachmittag bestätigte, hatte Haider 1,8 Promille Alkohol im Blut. "Es ist richtig, dass Landeshauptmann Jörg Haider zum Unfallzeitpunkt alkoholisiert war. Ich kann und muss das bestätigen", so Petzner zur Austria Presse Agentur. Der neue Bündnis-Chef habe vor seiner Stellungnahme mit Behörden und der Familie Haiders Rücksprache gehalten.

Medialer Druck zu groß

Letztere wollte nämlich ursprünglich nicht, dass diese Information an die Öffentlichkeit gelangt, wie ein Sprecher von Justizministerin Maria Berger (SPÖ) dem Standard mitteilte: "Die Ministerin wollte das auch nicht entscheiden, ohne die Familie zu involvieren, und nahm auf diesen Wunsch Rücksicht."

Doch im Laufe des Nachmittags habe Petzner wohl zahlreiche Anrufe von österreichischen und deutschen Journalisten erhalten, die bereits von den 1,8 Promille wussten. "Offensichtlich war der mediale Druck zu groß", vermutet man im Justizpalast. Wie Details aus dem Obduktionsbericht der Grazer Gerichtsmedizin nach außen drangen, obwohl die Ergebnisse ausschließlich an die Staatsanwaltschaft Klagenfurt gehen sollten, ist Staatsanwalt Helmut Jamnig ein Rätsel: „Von uns kommt das jedenfalls nicht."

Auch die Chefin der Grazer Gerichtsmedizin, Kathrin Yen, die gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Peter Grabuschnigg, dem Staatsanwalt Bernhard Kaplaner und zwei Polizisten bei der Obduktion anwesend war, schließt sicher aus, dass "jemand von unserem Haus etwas weitergegeben hat". Bei tödlichen Unfällen mit unerklärter Ursache sei es "normal" abzutesten, ob der Lenker Schlafmittel, Alkohol oder andere Drogen genommen habe.

Auch der Staatsanwalt hatte Vorsorge treffen lassen, dass die Frage einer möglichen Alkoholisierung auch nach einer Einäscherung Haiders geklärt werden hätte können. Eine Veröffentlichung weiterer Detailergebnisse plant die Staatsanwaltschaft aber von sich aus nicht. Jamnig stellt lediglich fest: "Wir dementieren die Äußerungen des Herrn Petzner nicht."

Stellt sich die Frage, warum niemand Haider davon abgehalten hatte, sich mit diesem Alkoholpegel ans Steuer zu setzen. Der Ablauf der Ereignisse, so weit bekannt: Irgendwann am späten Freitagabend hat der Kärntner Landeshauptmann eine Veranstaltung in Velden am Wörthersee verlassen. Sein engster Mitarbeiter Petzner verabschiedete sich nach eigener Aussage noch im Auto von seinem Chef. Wie viel Haider zu diesem Zeitpunkt bereits getrunken hatte, ist nicht klar.

Unfall auf derselben Straße

In Klagenfurt, das eigentlich nicht am Weg von Velden zu Haiders Domizil im Bärental liegt, schickte der BZÖ-Chef seinen Chauffeur offenbar in den Feierabend. Ob Haider danach vor dem Heimweg noch ein anderes Ziel angesteuert hat, darüber kursieren verschiedene Versionen. Augenzeugen berichten, er habe zuvor noch in seiner Klagenfurter Stadtwohnung beziehungsweise im Hotel Moser Verdino vorbeigeschaut. Kurz nach ein Uhr ereignete sich dann Haiders Unfall, den eine Zeugin um 1 Uhr 18 bei der Polizei meldete.

Jörg Haider soll dem Vernehmen nach mehrmals in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen sein. Zumindest einen kann Reinhard Sladko, Kärntner Landesamtsdirektor, dem Standard bestätigen: "Das war vor vier, fünf Jahren, auf derselben Straße, 500 Meter weiter in Lambichl. Vielleicht waren da noch mehr Unfälle, immerhin war er ja lang Landeshauptmann." (APA/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2008)

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  • Wie Haiders letzter Sprecher, der nunmehrige BZÖ-Chef Stefan Petzner am
Mittwochnachmittag bestätigte, hatte Haider 1,8 Promille Alkohol im
Blut.
    foto: reuters

    Wie Haiders letzter Sprecher, der nunmehrige BZÖ-Chef Stefan Petzner am Mittwochnachmittag bestätigte, hatte Haider 1,8 Promille Alkohol im Blut.

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