Trotzkist Besancenot gewinnt Prozess gegen Waffenfirma

24. November 2008, 17:53
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Schadensersatz wegen Publikation von Opferzahlen durch Elektroschockwaffen gefordert - Weitere Ermittlungen gegen Unternehmenschaf di Zazzo wegen Bespitzelung

Paris - Der französische Trotzkistenführer und ehemalige Präsidentschaftskandidat Olivier Besancenot hat vor Gericht gegen den französischen Vertreiber der Elektroschock-Pistolen Taser gewonnen. Die Klage des Unternehmens auf 50.000 Euro Schadenersatz sei abgewiesen worden, sagte eine Justizsprecherin am Montag in Paris. Besancenot hatte in seinem Blog behauptet, dass durch die Elektroschock-Pistolen in den USA und in Kanada vermutlich 150 Menschen getötet worden seien. Diese Zahl stammte aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Der Vertreiber der Taser-Pistolen war mit einer ähnlichen Klage gegen die Menschenrechtsorganisation RAID-H im Oktober ebenfalls gescheitert.

Gegen Unternehmenschef Antoine di Zazzo wird weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Besancenot bespitzelt zu haben. Zazzo räumte ein, dass er Privatdetektive beauftragt habe, um die Adresse des Chefs der "Kommunistischen Revolutionären Liga" (LCR) und Initiators einer neuen "Antikapitalistischen Partei" herauszufinden. In Frankreich sind Teile der Polizei mit den Elektroschock-Pistolen ausgestattet. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um eine nicht-tödliche Waffe. Menschenrechtsorganisationen bezweifeln das.

Der Briefträger Besancenot kämpft seit Jahren gegen die Einführung von Elektroschockwaffen bei Frankreichs Polizei. Er hatte dabei auf angebliche Todesfälle in den USA verwiesen. Das in Frankreich eingesetzte Gerät Taser X-26 feuert zwei Pfeile ab, die beim Auftreffen eine Ladung von 50.000 Volt freisetzen. Dadurch wird das Nervensystem beeinträchtigt und der Gegner für mehrere Sekunden bewegungsunfähig gemacht. (APA/dpa)

 

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    Olivier Besancenot wurde von einem Waffenfabrikanten und Polizsten bespitzelt.

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