Falschmeldungen verbreiten sich im Netz wie Lauffeuer

14. Oktober 2008, 12:32
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Zuletzt sorgte das Gerücht, Apple-Chef Steve Jobs sei in eine Notaufnahme eingeliefert worden, für eine Welle an falschen Berichten rund um den Erdball

Die bewusste Verbreitung von Falschmeldungen im Internet zieht zunehmend weite Kreise. Wie Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, greifen erfundene Berichte aufgrund der Vernetzung und Schnelligkeit des Webs zum Teil wie ein Lauffeuer um sich. Zuletzt sorgte das Gerücht, Apple-Chef Steve Jobs sei akut erkrankt und in eine Notaufnahme eingeliefert worden, für eine Welle an falschen Berichten rund um den Erdball. Wie die New York Times berichtet, war auf der von CNN gesponserten Plattform ireport.com, auf der durchschnittliche Nutzer semi-journalistische Beiträge veröffentlichen, die Meldung in die Welt gesetzt worden. Infolge hatten unzählige Nachrichtenseiten und Blogs den Bericht mehr oder zumeist weniger kritisch übernommen. Der Urheber ist nach wie vor unbekannt, obwohl der Fall jetzt von der US-Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Committee untersucht wird.

Lügennetze

Besonders problematisch an den online-gewobenen Lügennetzen: Wie im Fall von Apple, dessen Aktienkurs aufgrund der Meldung um fünf Prozent nach unten rutschte, zeigen die gestreuten Gerüchte häufig auch reale Auswirkungen auf die betroffenen Personen und Unternehmen. "Die Spannweiten der Ursachen für erfundene Nachrichten geht von grobem Unfug über virale Werbekampagnen bis hin zur versuchten Einflussnahme auf Aktienkurse", erläutert Kai-Uwe Weidlich, Medienexperte und Geschäftsführer vom Medien Institut Ludwigshafen, gegenüber pressetext. Probleme würden sich meist dann ergeben, wenn speziell Personen geschmäht oder verunglimpft werden. Nicht selten wird auch in der Politik zu solchen Mitteln gegriffen, um die öffentliche Meinung auf die jeweilige Seite einer Partei oder eines Politikers zu ziehen.

"Vor allem in Blogs kommen Falschmeldungen immer wieder vor, von einem Lauffeuer ist hierzulande aber nicht zu sprechen"

Im September büßte die Fluglinie United Airlines mehr als einer Mrd. Dollar an Börsenwert ein, weil ein sechs Jahre alter Bericht über den Konkurs des Unternehmens neuerlich in Umlauf gebracht worden war und die Händler darauf reagierten. Derart drastische Vorfälle sind zumindest aus Deutschland bislang nicht bekannt. "Vor allem in Blogs kommen Falschmeldungen immer wieder vor, von einem Lauffeuer ist hierzulande aber nicht zu sprechen", so Weidlich. Die Verbreitung von falschen Informationen erfolge im Netz zwar sehr schnell. "Genauso schnell erfolgt dann meist auch die Aufklärung bzw. Richtigstellung. Darin liegt auch der Vorteil dieses Mediums."

Bewusste Meldungen

Ob von Journalistenseite Gerüchte bewusst in die Welt gesetzt würden, sei zwar nicht bekannt, aber auch nicht ausgeschlossen. "Generell sind auf jeden Fall Qualitätsverluste zu beobachten. Das bezieht sich aber nicht nur auf das Netz, sondern zum Teil auch auf klassische Medien", sagt Weidlich im pressetext-Interview und fügt hinzu: "Die Ausbildung der Journalisten sollte das nötige Regelgefühl vermitteln." Dass bewusst Falschberichte von Journalisten verbreitet würden, habe man in Deutschland zum Glück noch nicht zu beklagen, meint auch Hendrik Zörner, Pressesprecher vom deutschen Journalistenverband, auf Nachfrage von pressetext. "Je mehr nur noch im Internet recherchiert wird, desto größer ist jedoch die Gefahr, dass Journalisten ungewollt Fehlinformationen verbreiten, die sie im Netz gefunden haben." Darüber hinaus können große internationale News-Verteiler wie Digg oder Google News eine Art Sicherheitslücke bilden und als Multiplikator für bewusst gestreute Online-Lügen fungieren. Die Betreiber betonen, auf Transparenz zu achten und die Quellen zu prüfen. Doch findet eine Falschmeldung einmal ihren Weg auf eine dieser Seiten, entwickelt sich ein Selbstläufer, der so einfach nicht mehr zu stoppen ist. (pte)

 

  • Die Gerüchteküchebrodelt im Web

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