Hassliebe, Melancholie und Rebellion

15. Oktober 2008, 12:37
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Die Wiener Indie-Band Ja, Panik über ihr neues Album, "Anhimmelungs-Fans" und Bewunderer

Wien - "Ich habe eine sehr innige Beziehung zur Sprache", sagt Andreas Spechtl, Sänger der Band Ja, Panik zu seiner Entscheidung, auf Deutsch zu singen.

Ende 2005 entstanden, veröffentlicht die Indie-Band im April 2009 ihr zweites Album "The Taste and the Money". In den Texten sei seine persönliche Gefühlswelt zwar herauszulesen, doch Spechtl versucht "jeden Text so weit zu verfremden", dass er bei Live-Konzerten nicht das Gefühl habe, "dass ich irgendwem meine Seele vor die Füße schmeiße".

Die Texte spiegeln eine Hassliebe der Band zu Wien und der Wiener Musik-/Abendszene wider. Meist geht es auch um den Begriff der Zeit, wie etwa in "Swing Low, Sweet" des neuen Albums, in dem es heißt: "Und ich hab keine keine keine Zeit mehr zu verlieren." Oder aber in "Marathon" - ebenfalls auf dem neuen Album - in dem von der Erschöpfung und den Anstrengungen des Lebens erzählt wird.

"Ein schwarzes Loch in meiner Brust - nur zu gut, dass ich damit nicht leben muss", drückt "Marathon" eine Melancholie und Verzweiflung aus, die schon im ersten Album leicht anklang, im neuen aber stärker betont wird. "Ja, Panik" hat auf ihrer Website ein "Programm in sechs Punkten" aufgelistet. "Wir stehen zitternd vor markierten Stellen, Gitarren in Händen, Buchstaben im Kopf" kommt im ersten Punkt vor allem die Panik vor dem Nichts und der "Überfülle" zum Ausdruck.

"Pessimismus! Denn das ist der Ursprung aller Schöpfung", ruft der zweite Punkt zu pessimistischem Handeln und Denken auf. Oder: "Defragmentiert euer Geschlecht, stülpt es nach innen!", ruft der vierte Punkt zu Rebellion auf. "Konflikte, Gegensätze und Widersprüche!", schließt das Programm in kompletter Konfusion. Diese ist laut Sänger Spechtl, ein Teil der "humorigen" Komponente der Band, ein "sehr überzeichnetes" Programm.

Ein Talent zur Provokation hat die Wiener Band seit ihrem ersten Album, wo sie etwa für den Song "Like A Hurricane" ein Musikvideo drehte, in dem sich ein junger und ein wesentlich älterer Mann leidenschaftlich zu "Baby, Sweetheart" küssen und ausziehen.

"Anhimmelungs-Fans"

Abseits des "Mainstreams" habe sich in Wien in den letzten Jahren "ziemlich viel getan", so Spechtl. Die Musikszene werde selbstbewusster, besonders wegen "Plattformen wie gotv oder auch fm4". Mit dem sogenannten "Mainstream" beschäftigt sich der 23-Jährige aber nicht, denn: "Schon beim Anhören fühle ich, wie irgendwer mir das Geld aus der Tasche ziehen will mit irgendeinem Dreck."

Wie bei Mainstream gebe es auch in seiner Szene "Anhimmelungs-Fans", für die man der "Mensch vom Foto, der vom Plattencover, der vom Magazin" sei. Diese wünschten, dass man eben so sei und wären enttäuscht, wenn "sie wissen würden, wie du wirklich bist", vermutet er. Auf der anderen Seite stünden Bewunderer, die "deine Arbeit schätzen" und "dich auch als Menschen akzeptieren". Sein Erfolgsrezept: "Ich bin froh, dass ich keines hab. Denn spätestens nach einmal würde die Qualität darunter leiden. (hat, inab/DER STANDARD, 14.10.2008)

"Pessimismus! Denn das ist der Ursprung aller Schöpfung" - dazu ruft die Indie-Band aus Wien Ja, Panil auf.

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    foto: ja, panik
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