Grüner Chic

14. Oktober 2008, 12:43
posten

Öko-Mode: Ein Trend steckt noch in den Kinderschuhen - KonsumentInnen wissen wenig über Labels und Kennzeichnungen

Wien - Öko ist chic: Stars wie U2-Sänger Bono haben als Vorreiter Fairtrade-Mode auf den Markt gebracht. Gleich darauf probierten es auch die "Big Player" der Bekleidungsindustrie mit umweltverträglich und sozial verantwortungsvoll hergestellten Kollektionen.

Der bereits viel besprochene Trend steckt in Wahrheit aber noch in den Kinderschuhen. Handel und KonsumentInnen seien zu wenig informiert, war sich eine ExpertInnenrunde anlässlich der vom Umweltministerium veranstalteten Nachhaltigen Wochen 2008 einig. Die bestehenden Kennzeichnungen seien wenig bekannt.

Was steckt dahinter?

Öko-Mode, Naturtextilien, "grüne" Bekleidung: Was steckt dahinter? Naturfasern können aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. kontrollierter Tierhaltung stammen. Derzeit kommen aber nur 0,1 Prozent der rund 25 Millionen Tonnen Baumwolle jährlich aus Bio-Produktion. Dabei gehen etwa 30 Prozent der weltweit ausgebrachten Pestizide auf das Konto von konventionell angebauter Baumwolle. Böden, Wasser und die dort arbeitenden Menschen leiden schwer darunter.

Kleidung aus biologisch hergestellten Fasern erkennt man an Etiketten wie "Bio", "kbA" (kontrolliert biologischer Anbau) und "organic". Solche Zertifizierungen stellen sicher, dass die Textilien ohne chemische Dünger, ohne Pestizide und gentechnikfrei hergestellt wurden. Laut Lebensministerium sind zwei von drei T-Shirts aus China aus gentechnisch veränderter Baumwolle.

Gütesiegel

Genauso wichtig wie die ökologische Produktion der Rohstoffe ist eine umweltschonende und ressourcensparende Verarbeitung. Gütesiegel sind das Europäische Umweltzeichen und "Öko-Tex Standard 100plus". Zusätzlich soziale Kriterien berücksichtigen "Naturtextil" und "EKO Sustainable Textile".

Für fair gehandelte Textilien erhalten die ArbeiterInnen in Entwicklungsländern gerechte Löhne. Bei Baumwolle ist "Fairtrade" das größte unabhängige Zertifizierungssystem weltweit.

"Nachhaltig muss heißen: ökologisch und sozial", sagte Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne. "Werden weniger Schadstoffe eingesetzt, nützt das den KäuferInnen und den ArbeiterInnen." "Bio und fair trade gehören gerade im Textilbereich zusammen", meinte Werner Müller, der das heimische Öko-Label Ainoah betreibt. Vorbild müsse der Bio-Lebensmittelbereich sein, wo die KonsumentInnen bereits hohes Vertrauen in die Zertifikate und deren Überwachung hätten.

Aufbauarbeit nötig

Was die regionale Nähe - ebenfalls ein wichtiges Merkmal von Nachhaltigkeit - angehe, zeigte sich Cordula Müller vom Öko-Hersteller Hess Natur pessimistisch: "Da ist schon viel Basiswissen abgewandert. Es müsste viel Aufbauarbeit geleistet werden." Nur wenige der im Textilgewerbe verarbeiteten Rohstoffe kommen noch aus Österreich, bestätigte Christian Frankl von der Bundesinnung der StrickerInnen, StickerInnen, WirkerInnen, WeberInnen, SeilerInnen und PosamentiererInnen.

Die Initiative "Nachhaltige Wochen" findet zum fünften Mal und heuer von 15. September bis 15. Oktober statt. Unter dem Motto "Bewusst kaufen. Besser leben" weisen rund 40 Handelsketten auf Produkte mit ökologischem und sozialem Mehrwert hin. (APA)

 

  • Das Problem von Öko-Mode: entsprechende Kennzeichnungen sind wenig bekannt
    foto: lukas beck

    Das Problem von Öko-Mode: entsprechende Kennzeichnungen sind wenig bekannt

Share if you care.