"Die beste Idee seit Erfindung des Shetlandponys"

16. Oktober 2008, 18:22
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Für Mädchen, die selbst auf der Schaukel sitzen wollen: Das neue "Missy Magazine" verbreitet Popfeminismus im Hochglanzformat

Die Verbindung von Popkultur und Feminismus ist im deutschsprachigen Raum eine eher unterbelichtete. Das Ende Oktober erstmals in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheinende "Missy Magazine" will dies nun ändern. Angelehnt an US-amerikanischen Vorbildern wie "Bust", "Bitch" oder auch "Venus Zine" streben die deutschen Macherinnen Sonja Eismann, Chris Köver und Stefanie Lohaus vor allem eines an: An Popkultur interessierten Mädchen und Frauen ein gutes, bestärktes Gefühl zu geben.

Tatsächlich fristen Frauen im männlich definierten Popgeschäft nach wie vor ein eher trauriges Dasein. Zum einen liest sich kaum etwas über sie in den einschlägigen Magazinen, und wenn, dann nur als optischer Aufputz für Bands von Typen. Was fehlt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit weiblichem Musikschaffen und die Perspektive von Mädchen und Frauen als Musik- und Popfans.

Kinder des "Third-Wave-Feminism"

In den USA haben sich Zeitschriften wie "Bust" als Speerspitze einer Bewegung herauskristallisiert, die gemeinhin als "Third-Wave-Feminism" subsumiert wird. Die Zahl drei bezieht sich dabei auf die zweite Frauenbewegung der 1970er und setzt einen markanten Bruch zum vielbeschworenen "Opferfeminismus" dieser Aufbruchsjahre. Der politische Anspruch geht dabei nicht zwangsläufig verloren, drückt sich allerdings mehr in einem (subversiven) Lebensstil als in politischer Agitation aus. In den entstandenen kulturellen Szenen gehen (junge) Frauen selbstbewusst mit Gitarre und Drumcomputer, aber auch mit Stricknadel und Kochlöffel um. Fantum, Konsumkritik und ein positives Selbstbild zum Körper und zur eigenen Sexualität werden darin groß geschrieben.

Dieser Tradition des "Third-Wave-Feminism" fühlt sich auch das Missy Magazine verpflichtet. Den "Spielplatz Pop", wie es im Vorwort heißt, stürmen die Mädchen jetzt mit "Streberinnen"-Modestrecken, einem "Mach es selbst"-Teil mit Anleitung zum Auflegen und TV-Dinner-Kochen sowie einer Sex-Abteilung, die Kamasutra-Stellungen auf Orgasmus-Kompatibilität testet. Im Politik-Ressort werden Themen wie Genitalverstümmelung, aber auch Verhandlungstechniken mit Männern besprochen. Mit der Sängerin Soap&Skin ziert eine österreichische Pophoffnung das Cover.

Abgrenzungen

"Wir packen diese Themen alle zusammen und maßen uns an, sie selbst zu besetzen", so Sonja Eismann zu dieStandard.at. Das Medium soll einen breiten Zugang haben und möglichst viele Frauen ansprechen. "Deshalb verzichten wir auch weitestgehend auf eine 'akademische Sprache'", so Eismann. Ein Balanceakt angesichts der zunehmenden Akademisierung feministischer Strömungen. Auch gegenüber klassischen Frauenzeitschriften will sich das Missy Magazine abgrenzen.  Am Kiosk käme ein Platz zwischen den Musikzeitschriften Debug und Spex gelegener als neben Cosmopolitan und Brigitte.

Die Entscheidung, das Heft im Eigenverlag zu produzieren, fiel für das Team durch den Gewinn des Berliner Hobnox-Evolution-Contestes. Der Hauptgewinn über 25.000 Euro wurde in die Hochglanz-Produktion und den breiten Vertrieb gesteckt. "Rentieren" wird sich das Missy Magazine wohl erst, wenn genügend AbonnentInnen und WerbekundInnen gefunden worden sind, so die Macherinnen. 

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Bereits vor zehn Monaten, als ihr Konzept 1300 MitbewerberInnen bei Hobnox ausstach, zeigte sich, dass das Missy Magazine über eine große Fanbasis verfügt. "Viele Frauen halten es für eine gute Idee, die Lücke zwischen Feminismus und Popkultur zu füllen", so Eismann. Für die beste seit Erfindung des Shetlandponys, um genau zu sein. (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 17.10.2008)

Das Missy Magazine erscheint erstmals am 20. Oktober und ist an Bahnhofskiosken und in ausgewählten Buchshops erhältlich.

Missy Magazine erscheint 4x im Jahr. Abobestellungen unter:

Link
www.missy-magazine.de

  • Die 18-jährige österreichische Pophoffnung "Soap&Skin" schmückt die erste Ausgabe des Missy Magazines.
    cover: missy magazine

    Die 18-jährige österreichische Pophoffnung "Soap&Skin" schmückt die erste Ausgabe des Missy Magazines.

  • Die Macherinnen des Missy-Magazines v.l.n.r.: Sonja Eismann, Chris Köver und Stefanie Lohmann.
    foto: vera tammen/missy magazine

    Die Macherinnen des Missy-Magazines v.l.n.r.: Sonja Eismann, Chris Köver und Stefanie Lohmann.

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